Aus für den IOC-Vize Siemens und Bach trennen sich

Brisante Personalie: Jahrelang arbeitete IOC-Vize Thomas Bach als Berater für Siemens. Nun wird die Zusammenarbeit beendet.

Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

Die Geschäftsbeziehungen des Wirtschaftsanwalts und Chefs des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, mit der Siemens AG werden eingestellt. Das Unternehmen erklärte am Freitag, beide Seiten hätten sich "auf eine Beendigung der erfolgreichen Beratungstätigkeit verständigt". Die Compliance-Abteilung des Konzerns hatte in den vergangenen Wochen das Beratungsverhältnis Bachs, der auch Vizepräsident des Olympischen Komitees (IOC) ist, intensiv geprüft.

IOC-Vize Bach wird künftig nicht mehr als Berater für Siemens arbeiten.

(Foto: Foto: AP)

Die Kontrolle der Aktivitäten Bachs hat nach Siemens-Angaben "zu keinerlei Beanstandungen" geführt. Sämtliche Tätigkeiten wurden als rechtmäßig und vertragskonform bestätigt. An der Integrität Bachs bestünden "keine Zweifel". Der 54-Jährige habe für den Konzern "vertragsgemäß wichtige Beratungsleistungen zu wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen" erbracht. An der Vermittlung von Aufträgen für das Unternehmen sei Bach nicht beteiligt gewesen; "dies gilt selbstverständlich auch für China", den Austragungsort der Olympischen Sommerspiele.

Üppige Honorare

Siemens liefert Infrastruktur für Stadien und Hotels in Peking, technische Anlagen für U-Bahnen und ein Gepäcktransportsystem für den Flughafen in der Hauptstadt. Grund für die Beendigung des Vertragsverhältnisses ist nach Siemens-Angaben eine "Neustrukturierung" des Beratersystems. Künftig soll es bei dem Weltkonzern keine externen Berater mehr geben. Bach bleibt nach Siemens-Angaben in der "laufenden Amtsperiode" Mitglied des Verwaltungsrats der Siemens Schweiz AG.

Der Beratervertrag des Konzerns mit Deutschlands mächtigstem Sportfunktionär wurde im Jahr 2000 geschlossen und dann in den Jahren 2004 und 2005 verlängert. Auch wegen der üppigen Honorare hatte es in jüngerer Zeit bei Siemens intern heftige Diskussionen über das Abkommen gegeben. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen soll Bach zuletzt 400.000 Euro im Jahr bekommen haben, zusätzlich angeblich 5000 Euro für jeden Tag, an dem er für den Konzern tätig war. Bach hat sich nicht über die Höhe der Bezüge geäußert.

Kontaktpflege in Arabien

Nach seinen Angaben und den Feststellungen von Siemens war er vor allem im arabischen Raum für das Unternehmen tätig. Er habe dort Kontakte zu hochrangigen Repräsentanten der Politik vermittelt, erklärte Bach. Außerdem habe er Siemens seine Expertise über die Region zur Verfügung gestellt. Bach ist Präsident der Arabisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer.

Bach hat mehrmals beteuert, dass er sportliches Ehrenamt und berufliche Tätigkeit stets getrennt habe. Bach gab an, er habe die IOC-Exekutive im Februar 2003 und die Findungskommission des DOSB vor seiner Wahl im Mai 2006 auf seine Beratertätigkeit bei Siemens hingewiesen. Bach habe "alles angegeben", bestätigte Fußball-Präsident Theo Zwanziger, der auch Chef der Findungskommission ist. Der Beratervertrag mit Siemens habe "ganz oben" gestanden.