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Auftragsflaute bei Siemens:"Voll auf Kurs"

Talfahrt auf breiter Front: Aufträge, Umsatz und Gewinn bei Siemens sinken. Doch einer trotzt der Krise: Das Unternehmen sei "voll auf Kurs", bekräftigt Vorstandschef Löscher.

Die Wirtschaftskrise hat Siemens im dritten Quartal mit großer Wucht getroffen. Der Auftragseingang brach stark um 28 Prozent ein und auch der Umsatz ging zurück.

Siemens, AP

Siemens will trotz drastischem Auftragseinbruch Kurse halten, so die Devise des Vorstandschefs Peter Löscher.

(Foto: Foto: AP)

Dank Sondereffekten sank der Gewinn unterm Strich aber nur um sieben Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Vorstandschef Peter Löscher sagte: "Siemens ist voll auf Kurs und wird die Ziele 2009 erreichen." Er bekräftigte die Prognose, den operativen Gewinn des Vorjahres in Höhe von 6,6 Milliarden Euro zu übertreffen.

Das weltwirtschaftliche Marktumfeld bleibe anhaltend schwierig. Aber das insgesamt noch dicke Auftragspolster habe die Auswirkung der Rezession auf Umsatz und Ergebnis bislang abgefedert. "Erwartungsgemäß hat das wirtschaftliche Umfeld deutliche Spuren im Neugeschäft hinterlassen", kommentierte Löscher den Auftragseinbruch.

"Im Vergleich zu unseren wichtigsten Wettbewerbern haben wir uns erneut gut geschlagen", sagte Löscher und zeigte sich mittelfristig optimistisch: "Wir sind auf einem guten Weg, gestärkt aus der Krise hervorzugehen."

Bei der Senkung der Vertriebs- und Verwaltungskosten komme Siemens "deutlich schneller voran als erwartet". Das Ziel, sie 2009 um 1,2 Milliarden zu senken, werde wohl vorzeitig übertroffen werden, sagte Löscher.

19.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Im Augenblick seien 19.000 Mitarbeiter oder jede siebte Beschäftigte in Deutschland in Kurzarbeit, erklärte ein Konzernsprecher. Im August soll diese Zahl wegen der Sommerferien auf 15.000 sinken. Wie es danach weitergeht, blieb zunächst offen.

Unlängst teilte das Unternehmen bereits mit, 1600 Stellen streichen zu wollen. Davon betroffen sei vor allem das Ausland. In Deutschland fallen gut 100 Arbeitsplätze bei der Gebäudetechnik in Karlsruhe weg.

Weniger Kunden aus Maschinenbau und Autoindustrie

Im größten der drei Sektoren, dem Industriegeschäft, brach der Umsatz um 13 Prozent und Auftragseingang sogar um 42 Prozent ein. Das Ergebnis halbierte sich auf nur noch 534 Millionen Euro und fiel damit erstmals unter den Ergebnisbeitrag der Energiesparte.

Vor allem die Fabrikautomatisierung, die Antriebstechnik und der Leuchtenhersteller Osram litten unter der ausbleibenden Nachfrage aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau.

Energiesektor als Gewinnbringer

Zum ersten Mal trug der Energiesektor mit fossilen Kraftwerken, erneuerbaren Energien und Stromnetzen mit 863 Millionen Euro am meisten zum Konzerngewinn bei. Das Ergebnis vor Steuern stieg um 40 Prozent auf 863 Millionen Euro. Der Umsatz stieg ebenfalls zweistellig auf 6,44 Milliarden Euro. Allerdings sank der Auftragseingang wie in den anderen Sektoren auch.

Die kleinste Sparte, der Medizinsektor, behauptete sich halbwegs gut. Der Umsatz stieg, das Ergebnis sank wegen Einmalaufwendungen für den Bereich Strahlentherapien.