Aufspaltung Fortschritte bei Osram

Mit Glühbirnen wurde sie groß, entsprechend schwer tun sich manche bei Osram: Die Lichtfirma einigt sich mit den Arbeitnehmern über die Ausgliederung des Kernbereichs Leuchtmittel. Und der nächste Schritt ist auch schon geplant.

Von Caspar Busse

"Was wir vorhaben, ist emotional nicht einfach", sagte Olaf Berlien, 53, im Frühsommer. Seit Jahresanfang ist er Vorstandsvorsitzender der Osram Licht AG, und er arbeitet am größten strategischen Schritt, den die traditionsreiche Münchner Firma seit ihrer Gründung je gemacht hat. Das ehemalige Kerngeschäft von Osram, der Bereich Leuchtmittel, also Glühbirnen, Energiespar- und Halogenlampen und ein Teil der Leuchtdioden (LED), soll aus dem Unternehmen ausgegliedert werden. Wenn das geschehen ist, will sich Berlien davon trennen. Die inzwischen börsennotierte ehemalige Tochterfirma von Siemens will sich künftig auf optische Halbleiter, Spezialbeleuchtung, die Entwicklung von ganzen Lichtsystemen sowie auf das Geschäft mit Beleuchtungssystemen für Autos konzentrieren. Auf diesem Weg ist Osram nun einen entscheidenden Schritt vorangekommen. "Wir haben mit den Arbeitnehmervertretern eine Einigung über den sozialen Rahmen erzielt und können jetzt loslegen", sagt ein Osram-Sprecher. Es geht um insgesamt bis zu 12 000 Mitarbeiter, die in die neue Gesellschaft wechseln sollen. Derzeit findet die genaue personelle Zuordnung statt, wer in die auszugliedernde Firma geht, wer bei Osram bleibt.

Insgesamt beschäftigt Osram etwa 32 000 Mitarbeiter, ungefähr ein Drittel davon wird bald einen anderen Arbeitgeber haben. Die Konditionen, so heißt es aus dem Unternehmen, werden zunächst ähnlich denen bei Osram sein. Seit dem Börsengang 2013 hat Osram bereits rund 16 000 Jobs gestrichen. Berliens Vorgänger Wolfgang Dehen hatte bereits einen massiven Sparkurs eingeleitet, von dem Osram nun profitiert.

Die neue Firma, die auf einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro kommen wird und derzeit noch den Arbeitstitel "Lamps" trägt, wird der Planung zufolge demnächst einen eigenen Namen erhalten, keinen Kunstnamen, sondern einen vorhandenen Markennamen. Die Hauptverwaltung wird in Garching im Norden Münchens angesiedelt, dort unterhält der Bereich bereits ein Forschungszentrum.

Bis April 2016 sollen alle organisatorischen Schritte abgeschlossen sein. Als juristisch eigenständiges Unternehmen soll der Bereich spätestens im Juli 2016 starten. Der Zeitplan ist durchaus ehrgeizig, denn betroffen sind unter anderem rund 20 Produktionsstandorte sowie Märkte in 130 Ländern. So müssen beispielsweise alle Verpackungen für Osram-Leuchtmittel geändert werden.

Noch keine Entscheidung gibt es, wie es danach weitergehen wird. Denkbar ist ein vollständiger Verkauf oder der von Firmenteilen beziehungsweise ein Börsengang. "Es gibt reges Interesse von Investoren an der neuen Lamps-Gesellschaft", betonte ein Sprecher. Darunter dürften Unternehmen aus China und dem Rest Asiens sein, möglicherweise auch Finanzinvestoren. Mitte November wird Osram die Zahlen für das Geschäftsjahr 2014/15 präsentieren, schon nach neun Monaten war der Gewinn gestiegen. Auch für das Gesamtjahr wird eine positive Tendenz erwartet.

Osram-Konkurrent Philips plant derzeit ebenfalls eine Aufspaltung. Die Niederländer wollen anders als Osram aber das Zukunftsgeschäft, die Sparte heißt Lumileds, ausgliedern, dazu gehören unter anderm Autobeleuchtung oder LED-Komponenten. 80 Prozent sollen verkauft werden und möglicherweise an chinesische Investoren gehen.

Doch nun wackelt diese Transaktion. Gegen den Deal gibt es Widerstand der US-amerikanischen Regierung, teilte Philips zuletzt mit. Es gebe Bedenken wegen der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten. Die Einwände seien aber "total überraschend", teilte der Konzernchef Frans van Houten mit. Auch Philips verdiente im abgelaufenen Quartal überraschend gut.