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Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp:IG Metall geht auf Distanz zu Gerhard Cromme

Der Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp darf nicht mehr auf die Unterstützung der IG Metall hoffen: Vorstand Bertin Eichler nimmt Cromme im SZ-Interview nicht mehr in Schutz. Eichler selbst, der wegen vom Konzern bezahlter First-Class-Flüge in der Kritik steht, verteidigt sich.

Die IG Metall geht offenbar auf Distanz zur Gerhard Cromme, dem Aufsichtsratschef des von Milliardenverlusten und Kartellaffären belasteten Stahlkonzerns Thyssen-Krupp. Anders als der Konzern-Betriebsrat, der Cromme kürzlich noch heftig gegen Vorwürfe verteidigt hatte, nahm IG-Metall-Vorstand Bertin Eichler den Manager in einem Interview der Süddeutschen Zeitung ausdrücklich nicht mehr in Schutz.

Auf die Frage, ob sich Cromme nach über einem Jahrzehnt an der Spitze des Aufsichtsrats zurückziehen müsse, antwortete Eichler: "Das muss jeder für sich entscheiden." Eine Abberufung sei keine Angelegenheit des Arbeitnehmer-Lagers im Aufsichtsrat, das Eichler anführt. "Die Frage, ob Cromme weg muss, ist nicht unsere Sache", so Eichler. Darüber müssten die Anteilseigner entscheiden.

Der Chef der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, hält bislang zu Cromme. Die Stiftung ist Hauptaktionär des Stahlkonzerns. Eichler bestritt, dass er sich als Aufsichtsrat durch die First-Class-Flüge bei Auslandsreisen auf Einladung des Konzerns habe vereinnahmen lassen. "Ich bin doch nicht korrupt." Er werde aber den Aufpreis für die erste Klasse bei den fünf Reisen seit 2004 aus seinem eigenen Geldbeutel zurückzahlen. Er wolle Schaden von der IG Metall abwenden.

Gleichzeitig forderte Eichler, dass für die Aufsichtsräte der Anteilseigner wie der Arbeitnehmer die selben Standards und Regelns gelten müssten. Die Vertreter der Belegschaft seien doch "keine Aufsichtsräte zweiter Klasse". Über die Kartellaffären über Thyssen-Krupp sagte Eichler, "da muss aufgeräumt werden, so wie früher bei Siemens. Rigoros."

Das vollständige Interview lesen Sie in der Freitagsausgabe der Süddeutschen Zeitung.