bedeckt München 17°
vgwortpixel

Aufsichtsrats-Gehälter:Niemand kontrolliert die Umsetzung der EU-Vorschrift

Nur wenige Unternehmen in Deutschland setzen die EU-Verordnung um. Darunter ist etwa die Deutsche Bank: Sie teilt mit, dass im Jahr 2012 die zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat gemeinsam 1,6 Millionen Euro verdient haben, darin eingerechnet sind bereits Pensionsansprüche. Bei Bayer waren es 670 000 Euro für zehn Leute, ohne Pensionsansprüche. Die Commerzbank veröffentlicht zwar die Gehälter nicht. Dafür aber, zu welchen Konditionen den Aufsichtsräten Kredite gegeben wurden. Auch das könnte schließlich ein Vorteil sein.

Die unterschiedliche Handhabung der EU-Vorschrift zeigt deutlich, dass niemand in Deutschland deren Umsetzung kontrolliert. Es ist noch nicht einmal ein Thema für die Corporate-Governance-Kommission. Dieses Gremium hat eigentlich bei allen Fragen der "guten Unternehmensführung" etwas zu sagen. Der Kommission gehören namhafte Experten aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen an. Sie beraten die Regierung und verfassen einen Kodex, den Unternehmen freiwillig übernehmen können.

Doch zu Fragen der Mitbestimmung darf sich das Gremium nicht äußern. "Das war eine politische Entscheidung. Das Thema ist zu heikel, deswegen halten wir uns heraus", heißt es hinter den Kulissen. Mancher Experte glaubt jedoch, dass Transparenz bei den Gehältern nicht schaden kann. Interessant sei dabei insbesondere, wie sich die Vergütung der Betriebsräte in den Aufsichtsgremien verändert hätten, weniger die absolute Höhe.

Die IG Metall argumentiert, dass es eine Ungleichbehandlung der Arbeitnehmer wäre, wenn man nicht gleichzeitig die Gehälter der Kapitalvertreter in der Kontrollgremien veröffentliche. Corporate-Governance-Experten entgegnen, dass dies meistens ohnehin der Fall sei. Viele Vertreter der Kapitalseite sind Vorstände in anderen Unternehmen und müssen dort ihre Bezüge offen legen.

Der EU geht es um alles - aus gutem Grund

Unstrittig ist, dass die Unternehmen bei den Aufsichtsratsmitgliedern offen legen, was sie für ihre Aufseher-Tätigkeit bekommen. Das sind bei den Konzernen zwischen einigen zehntausend und mehreren hunderttausend Euro. Einen großen Teil der Grundvergütung müssen die Gewerkschafter in den Aufsichtsräten an ihre Organisationen spenden. Doch der EU geht es nicht nur um die Tantiemen, sondern um alles. Offenbar aus gutem Grund.

Unvergessen ist der VW-Skandal. Volkswagen hatte dem ehemaligen Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert und Kollegen von ihm alles mögliche zukommen lassen: Boni, Maßanzüge, Handys. Sogar Bordellbesuche wurden bezahlt. Allein bei den Boni für Volkert ging es um einen Millionenbetrag. Die von der EU gewollte Transparenz könnte solche Exzesse verhindern, oder zumindest erschweren.