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Aufnahme Lettlands in die Währungsunion:"Nicht nur Notwendigkeit, sondern auch Privileg"

Aus ähnlicher Motivlage heraus war Estland vorangeschritten und hatte den Euro schon zum 1. Januar 2011 eingeführt. Nach Slowenien und der Slowakei war es der dritte der acht postkommunistischen Staaten in Mittel- und Osteuropa, die 2004 der EU beigetreten waren und sich damit auch vertraglich zur späteren Übernahme der einheitlichen Währung verpflichtet hatten. Lettland macht das Versprechen nun als viertes Land wahr, ein Jahr später, zum 1. Januar 2015, will Litauen folgen. "Mitglied der Euro-Zone zu werden, ist nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch ein Privileg", sagte jüngst der litauische Finanzminister Rimantas Sadzius.

Andere sind da skeptischer, zum Beispiel die Polen, die allerdings auch erst ihre Etatdefizite kräftig reduzieren müssen, ehe sie zugelassen werden. Auch die anderen Maastrichter Kriterien erfüllt das Land derzeit nicht, nach den Worten seines Premierministers Donald Tusk will man aber bis zum Jahr 2016 so weit sein. Eine Entscheidung fällt wohl frühestens 2015, nach der nächsten Parlamentswahl. Immerhin trägt das Land, im Bemühen um Anschluss, schon jetzt den Fiskalpakt und seine Verpflichtung zur Etatdisziplin mit.

Die polnische Bevölkerung steht einem Euro-Beitritt derzeit mehrheitlich ablehnend gegenüber, aber das ist in Litauen und Lettland nicht anders. Erst recht nicht in Tschechien, wo die Skeptiker traditionell besonders zahlreich und in der Regierung stark vertreten sind. Die Einführung des Euro steht derzeit nicht auf der Tagesordnung, wie Premierminister Petr Necas jüngst bekundete. Dies könnte sich ändern, wenn 2014 bei einer Parlamentswahl die Sozialdemokraten siegen.

Ein Termin ist freilich so wenig in Sicht wie in Ungarn oder Rumänien, die beide in der Finanzkrise tief in die Knie gegangen waren und unter dem Druck des Internationalen Währungsfonds hart sanieren mussten. Rumäniens Premier Victor Ponta nannte jüngst das Jahr 2019 als "realistischen Zeitpunkt" für eine Euro-Übernahme, sein ungarischer Kollege Viktor Orbán hat gar schon einmal 2020 als frühesten Termin bezeichnet.

Ganz anders Bulgarien. Das Land, dessen Währung schon fest an den Euro gebunden ist, hat neben Estland in der EU die geringsten Schulden und gilt fiskalisch als Musterknabe. Allerdings hat der scharfe Sparkurs unlängst schwere soziale Unruhen provoziert, seit Kurzem ist eine neue sozialdemokratisch dominierte Regierung im Amt. Wann sie den Beitritt zur Euro-Zone anstrebt, ist offen.