AutoindustrieAudi macht mehr Umsatz, verdient aber deutlich weniger

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Ringe in Rot: Noch einmal 7500 Jobs will der Autobauer Audi in den kommenden Jahren abbauen.
Ringe in Rot: Noch einmal 7500 Jobs will der Autobauer Audi in den kommenden Jahren abbauen. (Foto: Frank Hoermann/SvenSimon)

Die US-Zölle belasten das Geschäft von Audi, Amerika ist aber längst nicht das einzige Problem für den Autobauer. Die Konsequenz: Der Gewinn schrumpft immer weiter – und der Vertrag des Chefs könnte verlängert werden.

Von Stephan Radomsky

Autos verkaufen kostet Geld, jedenfalls in den USA. 600 Millionen Euro habe allein Audi im ersten Halbjahr im Amerika-Geschäft draufgezahlt, weil man die bisher geltende 27,5-Prozent-Zusatzabgabe auf Importe nicht an die Kunden weitergereicht habe. Das sagte Audi-Finanzchef Jürgen Rittersberger am Montag bei der Vorlage der jüngsten Geschäftszahlen. Wie es nach dem jüngsten Zoll-Deal zwischen US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen nun weitergeht? Offen. „Wir schauen uns die Vereinbarung im Detail an und dann werden wir entscheiden, wie wir weitermachen“, sagte Rittersberger. Preiserhöhungen in den USA schloss er jedenfalls nicht aus.

Schon von Januar bis Juni lief das Geschäft in Nordamerika bestenfalls schleppend: Die Verkäufe sanken um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Und das ist längst nicht das einzige Problem, mit dem sie in Ingolstadt zu kämpfen haben. Auf dem chinesischen Markt, der für Audi fast dreimal so groß ist wie Amerika, fielen die Verkäufe sogar um mehr als zehn Prozent.

Und auch beim Thema E-Mobilität sieht es nur auf den ersten Blick besser aus: So legte der Absatz von Elektroautos bei Audi zwar auf Jahressicht um fast ein Drittel zu, mehr als jeder achte neue Audi fährt damit inzwischen batteriebetrieben. Allerdings stammt dieses Plus fast ausschließlich aus Europa, wo das Beratungsunternehmen PwC branchenweit gerade sogar von einer „Renaissance“ der E-Mobilität sprach. Trotzdem ist das Wachstum immer noch gering im Vergleich zum weltweit mit Abstand wichtigsten E-Auto-Markt China: Hier stieg der Absatz sogar um fast 50 Prozent auf zuletzt 3,7 Millionen Stromer. Audi dagegen verkaufte in der Volksrepublik fast ein Viertel weniger E-Autos, nicht einmal 8000 Stück waren es im ersten Halbjahr.

Die Probleme sind offenbar so groß, dass Audi-Chef Gernot Döllner einem Bericht des Handelsblatts zufolge mehr Zeit bekommt, sie zu lösen. Der Vertrag des langjährigen Porsche-Managers, der Audi seit knapp zwei Jahren führt, solle deshalb vorzeitig bis 2028 verlängert werden. Darauf hätten sich Anteilseigner und Arbeitnehmer im Aufsichtsrat verständigt, hieß es. Bei Audi wollte man die Meldung am Montag nicht kommentieren.

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Unter dem Strich wuchs der Umsatz des Audi-Konzerns, zu dem neben der Kernmarke auch die Luxus-Hersteller Bentley und Lamborghini und die Motorrad-Marke Ducati gehören, um gut fünf Prozent auf 32,6 Milliarden Euro – obwohl gut fünf Prozent weniger Fahrzeuge ausgeliefert wurden. Der Gewinn dagegen schrumpfte um mehr als ein Drittel auf nur noch gut 1,3 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2022 hatten die Ingolstädter noch einen Gewinn von 4,4 Milliarden Euro gemeldet. Zudem sank die Gewinnmarge der Marke Audi auf zuletzt nur noch 1,8 Prozent. Neben Zöllen und den Schwierigkeiten im operativen Geschäft hätten dabei die Kosten für das Sparprogramm eine Rolle gespielt, hieß es. Für den geplanten Abbau von 7500 Jobs seien 300 Millionen Euro zurückgestellt worden.

Der VW-Konzern hätte gern einen Zoll-Sonderdeal

Dass es länger dauern könnte, bis es bei Audi wieder besser wird, darauf deutet auch die neue Prognose des Finanzchefs hin: Fürs Gesamtjahr rechnet Rittersberger demnach noch mit einem Umsatz zwischen 65 und 70 Milliarden Euro, 2,5 Milliarden weniger als bisher geplant. Auch was die Rendite angeht, dürfte es wohl schlechter laufen als angenommen. Ohnehin ist der einstige Gewinnbringer Audi zuletzt bereits weit hinter andere Schwestermarken im VW-Konzern zurückgefallen. So meldete etwa die Marke Volkswagen am Montag eine auf 2,5 Prozent verbesserte Rendite, Škoda erreichte demnach sogar einen Wert von 8,5 Prozent.

Bereits am Freitag hatte der Volkswagen-Konzern seine Zahlen fürs erste Halbjahr vorgelegt: Der Gewinn der Audi-Mutter sank demnach ebenfalls um gut ein Drittel. Konzernchef Oliver Blume hatte deshalb angekündigt, dass man mit der Regierung in Washington über einen Sonder-Zollsatz für die europäischen VW-Importe verhandeln wolle. Für jeden Dollar, den der Konzern in den USA investiere, solle demnach ein Dollar an Zöllen erlassen werden, so die Vorstellung. Das Konzept habe man dem Handelsministerium bereits präsentiert, sagt Blume. „Auch sind unsere Ideen schon dem Präsidenten vorgestellt worden“, sagte der VW-Vorstandschef.

Anders als etwa der Rivale BMW verfügt Audi über kein eigenes Werk in den USA und ist damit der Zoll-Politik Washingtons voll ausgeliefert. Das für den US-Markt wichtigste Modell Q5 beispielsweise wird aus dem Audi-Werk in Mexiko importiert. Am Montag nun sagte Rittersberger vor Journalisten, bis Jahresende solle eine Entscheidung über eine eigene Produktion innerhalb der US-Grenzen fallen. „Erst der EU-US-Deal – und dann werden wir als Unternehmen die Initiative ergreifen“, hatte Blume am Freitag noch gesagt. Inzwischen ist der erste Teil erledigt, nun können sie wohl mit Teil zwei beginnen.

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