Abgasskandal Razzia bei Audi-Technikern

Im Fall von Audi geht es mittlerweile um 253 000 Fahrzeuge.

(Foto: Matthias Schrader/AP)
  • Die Staatsanwaltschaft München II hat bei einer Razzia nach weiterem Beweismaterial im Fall mutmaßlich manipulierter Audi-Dieselfahrzeuge gesucht.
  • Dazu wurden in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Wohnungen von sechs heutigen oder früheren Audi-Beschäftigen durchsucht.
  • Es ist die zweite Razzia nach einer ersten Durchsuchungsaktion bei Audi im März vergangenen Jahres.
Von Klaus Ott

In der Affäre um mutmaßlich manipulierte Audi-Dieselfahrzeuge hat die Staatsanwaltschaft München II bei einer Razzia nach weiterem Beweismaterial für den Betrugsverdacht gesucht. Wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage von SZ, NDR und WDR mitteilte, wurden in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Wohnungen von sechs heutigen oder früheren Audi-Beschäftigen durchsucht. 38 Beamte der Staatsanwaltschaft und der Landeskriminalämter Bayern und Baden-Württemberg waren im Einsatz. Audi selbst wurde nicht durchsucht.

Es ist die zweite Razzia nach einer ersten Durchsuchungsaktion bei Audi im März vergangenen Jahres. Im Anschluss dieser Durchsuchung wurden vier Beschäftigte aus der Motorenentwicklung als Beschuldigte in die Akten eingetragen. Inzwischen gibt es 13 Verdächtige. Mit einer Ausnahme sind es heutige oder frühere Beschäftigte aus der Motorentechnik bis hin zum mittleren Management.

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Der einzige Beschuldigte aus dem oberen Management ist Wolfgang Hatz, ehemaliger Chef der Aggregate-Entwicklung bei Audi und später Porsche-Vorstand. Hatz sitzt in Untersuchungshaft. Er bestreitet die Vorwürfe und hat über seine Verteidiger Haftbeschwerde eingelegt. Darüber entscheidet das Oberlandesgericht (OLG) München.

Bei Audi geht es inzwischen um 253 000 Fahrzeuge

Die neue Razzia folgt einem klassischen Muster bei solchen Verfahren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt von unten nach oben. In diesem Fall wollen die Strafverfolger herausfinden, wie die durch Volkswagen zum Teil bereits zugegebenen Manipulationen bei der Tochtergesellschaft Audi abgelaufen sind. VW hatte in den USA, wo der Betrug mit geschönten Schadstoff-Messergebnissen aufgeflogen war, auch Verfehlungen bei dem Ingolstädter Unternehmen eingestanden.

Daraufhin schaltete sich auch die für Audi in Ingolstadt zuständige Staatsanwaltschaft München II ein. Die Münchner Strafverfolger wollen weitere Erkenntnisse auf Ebene der Motorentechniker sammeln, um dann zu prüfen, ob Spuren nach oben bis hinauf in den Audi-Vorstand führen. Gegen den Vorstand läuft bereits ein Bußgeldverfahren wegen Vernachlässigung interner Aufsichtspflichten. Allerdings ist hier kein Vorstandsmitglied namentlich eingetragen. Es gehört auch niemand aus dem heutigen oder früheren Audi-Vorstand zu den Beschuldigten im Strafverfahren. Audi hat wiederholt erklärt, es gebe mit Ausnahme eines früheren Managers keine Hinweise auf Verfehlungen heutiger oder ehemaliger Vorstandsmitglieder.

Die Staatsanwaltschaft München II hatte zuerst wegen 80 000 mutmaßlich manipulierter Dieselautos von Audi in den USA ermittelt. Inzwischen geht es um 253 000 Fahrzeuge, nachdem auch das das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg bei zahlreichen Modellen unzulässige Abschalteinrichtungen festgestellt hat. Teilweise handelt es sich um Porsche-Autos mit Audi-Motor. Die betreffende Software (Defeat Device) sorgt dafür, dass die Abgasreinigung bei den offiziellen Messungen auf einem Prüfstand optimal funktioniert, im Straßenverkehr aber oftmals abgeschaltet wird. Das führt zu einem hohen Ausstoß von gesundheitsschädlichen Stickoxiden.

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