Audi Verhafteter Manager will reden

Giovanni P., ehedem einer der führenden Motorenentwickler und offenbar stark in die Abgasaffäre verwickelt, kooperiert mit der Staatsanwaltschaft. Die ermittelt gegen weitere Audi-Manager.

Von Klaus Ott

Nahezu jede Affäre, die weitgehend oder gar vollständig aufgeklärt wird, hat einen Kronzeugen. Jemanden, der bei den Ermittlungsbehörden aussagt. Der auspackt und Licht ins Dunkel bringt. Der den Ermittlern den Weg weist. Das war beim Korruptionsfall Siemens so, das war bei anderen Skandalen so, und so könnte es jetzt auch beim Autohersteller Audi kommen.

Giovanni P., ehedem einer der führenden Motorenentwickler bei der Volkswagen-Tochter und offenbar stark in die Abgasaffäre verwickelt, will reden. Der aus Italien stammende frühere Audi-Manager sitzt seit vergangener Woche wegen Fluchtgefahr in München in Untersuchungshaft. Sein Rechtsanwalt Walter Lechner teilte auf Anfrage mit: "Mein Mandant sagt aus. Er kooperiert mit der Staatsanwaltschaft, um seinen Beitrag zur Aufklärung des Sachverhalts zu leisten."

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft München II soll Giovanni P. bei Audi dazu beigetragen haben, die amerikanischen Umweltbehörden jahrelang mit manipulierten Schadstoffwerten über den wahren Abgasausstoß von Diesel-Fahrzeugen zu täuschen. Die Verantwortung für diese Manipulationen sei bei Audi allerdings in den höheren Etagen zu suchen, deutet Anwalt Lechner an. "Fest steht jedenfalls, dass mein Mandant nicht die unternehmenspolitische Entscheidung hierfür treffen konnte und auch nicht getroffen hat.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Giovanni P. und weitere Audi-Manager wegen Betrugsverdachts und wegen des Vorwurfs der unlauteren Werbung mit vermeintlich sauberen Diesel-Fahrzeugen. Unter den Beschuldigten sind keine Vorstandsmitglieder.

Münchner Ermittler sind bei Wirtschaftsverfahren freilich bekannt dafür, dass sie hartnäckig herauszufinden versuchen, wer letztlich für Missstände verantwortlich ist - bis hinauf in die Chefetagen. Das war schon bei Siemens so. Diesen Anspruch hat auch die Staatsanwaltschaft in Braunschweig, die in der Abgasaffäre bei Volkswagen im benachbarten Wolfsburg gegen den früheren Vorstandschef Martin Winterkorn und zahlreiche weitere Beschuldigte ermittelt.

Winterkorn wird von mehreren Volkswagen-Technikern schwer belastet. Er soll am 27. Juli 2015, also knapp zwei Monate vor Bekanntwerden der Manipulationen, bei einer Besprechung in der Konzernzentrale in Wolfsburg über die betreffende Software informiert worden sein. Der damalige Konzernchef habe aber "niemanden angewiesen, die Existenz der Software preiszugeben. Und nur Winterkorn konnte diese Entscheidung treffen", zitiert jetzt die Bild am Sonntag einen dieser Techniker.

Volkswagen legte im August 2015 den US-Umweltbehörden diese Software offen, was aber eben nicht auf Betreiben des damaligen Vorstandschefs Winterkorn geschehen sein soll. Die amerikanischen Behörden wiederum machten den Betrug im September 2015 öffentlich. Winterkorn weist alle Vorwürfe zurück. Der Ex-Chef erklärte wiederholt, er habe sich stets korrekt verhalten. Das hatte Winterkorn auch im Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestagsbeteuert.