Audi Ermittler hörten Stadlers Telefonate ab

  • Die Staatsanwaltschaft München II hat Telefonate des verhafteten Audi-Vorstandschefs Stadler abgehört.
  • Das geschah vor und nach einer Razzia bei Stadler. In der VW-Abgasaffäre gab es bereits wiederholt solche Abhöraktionen.
Von Klaus Ott

Im Zuge der Ermittlungen gegen den verhafteten Audi-Chef Rupert Stadler hat die Staatsanwaltschaft München II auch dessen Telefonate abgehört. Das geschah vor und nach einer Razzia bei Stadler am vergangenen Montag, wie aus Kreisen von Verfahrensbeteiligten zu erfahren war. Die Staatsanwaltschaft selbst wollte sich dazu nicht äußern. Audi erklärte, für den Vorstandschef gelte weiterhin die Unschuldsvermutung.

Aus den abgehörten Telefonaten oder den sichergestellten Unterlagen, möglicherweise auch aus beiden Quellen, ergaben sich für die Ermittler konkrete Anhaltspunkte für den Verdacht der Vertuschung. Die Staatsanwaltschaft hatte Stadler am Montagmorgen in seinem Haus in der Nähe von Ingolstadt festgenommen. Ein Münchner Richter ordnete anschließend Untersuchungshaft an.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Audi-Chef vor, er habe mögliche Zeugen oder Mitbeschuldigte beeinflussen und so die Ermittlungen behindern wollen. Das ist, neben Fluchtgefahr, ein Grund für Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft will Stadler daran hindern, seine mutmaßliche Vertuschung fortzusetzen. Der Anwalt des Managers wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Insgesamt sind derzeit drei Beschuldigte aus dem VW-Konzern in Untersuchungshaft

In der Abgasaffäre bei Volkswagen sind bereits wiederholt Telefonate von heutigen oder ehemaligen Manager und Mitarbeitern des Autokonzerns abgehört worden, zuletzt beim Sportwagenhersteller Porsche, der ebenso wie Audi zum VW-Imperium gehört. Mitte April war in Stuttgart ein leitender Porsche-Mitarbeiter in Untersuchungshaft gekommen. Er soll während einer Razzia bei Porsche einen Assistenten per Telefon angewiesen haben, bestimmte Unterlagen beiseite zu schaffen. Bei Porsche heißt es hingegen, dieser Vorwurf treffe so nicht zu. Vor einer Verhaftung eines früheren Audi-Ingenieurs Mitte 2017 waren ebenfalls dessen Telefonate abgehört worden, er kam nach umfangreichen Aussagen wieder frei.

Insgesamt sind derzeit drei Beschuldigte aus dem VW-Konzern in Untersuchungshaft. Neben Stadler und dem leitenden Porsche-Mitarbeiter gilt dies auch für den früheren Audi-Manager und späteren Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz. Er sitzt bereits seit knapp einem dreiviertel Jahr wegen angeblicher Verdunkelung in Untersuchungshaft. Hatz bestreitet die Vorwürfe.

Wie Audi ins Visier der Ermittler geriet

Vom Anfangsverdacht über die erste Verhaftung bis hin zur Eskalation: Die Chronologie des Autoherstellers in der Diesel-Affäre. Von Vivien Timmler mehr...