Audi Entscheidung vertagt

Ein Werbeplakat von Audi vor dem Showroom in Berlin.

(Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg)

Bram Schot sollte am Donnerstag vom Aufsichtsrat zum festen Audi-Chef bestellt werden. Doch es kam anders, die Entscheidung wurde vertagt - angeblich wegen Formalia.

Von Max Hägler

Die Hängepartie in der Führung von Audi sollte bald ein Ende haben. Am Donnerstag wollte der Aufsichtsrat den Manager Bram Schot, 57, dauerhaft zum Vorstandsvorsitzenden des Autobauers bestellen, verlautete in den Tagen zuvor aus eben diesem Gremium. Am Abend hieß es dann unerwartet, die Entscheidung sei wegen einiger ungeklärter Formalia vertagt worden. "Es gibt kein Ergebnis aus der Aufsichtsratssitzung zu melden", sagte ein Unternehmenssprecher. Dabei hatten sich in den vergangenen Tagen alle wesentlichen Entscheider des Gremiums dazu bereit erklärt, Bram Schot nun schnell dauerhaft zu installieren.

Auch die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch hatten sich in dieser Woche zu dieser Entscheidung bekannt. Was nun genau dazwischen kam, ist unklar. Die Kontrolleure hätten kein Problem mit der Person Schot, heißt es übereinstimmend. Die Rede ist davon, dass angeblich die zeitgleich gewünschte Bestellung in den Vorstand des Mutterkonzerns Volkswagen problematisch sei. Andere sprechen von Schwierigkeiten bei einer Telefonschalte. Auch im Gerede ist, dass man zugleich den Posten des Audi-Marketingvorstandes neu besetzen wolle - und das alles in einem Aufwasch erledigen wolle. Es komme nicht auf ein paar Tage an, ist zudem zu hören; kurz vor Weihnachten solle nun die Entscheidung fallen.

Tatsächlich drängt die Zeit aber durchaus. Vom künftigen Audi-Chef wird viel verlangt: Er soll die Aufgeregtheiten im Unternehmen beruhigen und Audi wieder auf Erfolgskurs bringen. Das Unternehmen steht im Zentrum des Dieselskandals, mehrere Audi-Manager saßen in Untersuchungshaft, zuletzt auch der bisherige Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler. Die gegen Stadler erhobenen Vorwürfe sind noch nicht von einem Gericht beurteilt wurden, er selbst wie das Unternehmen betonen die Unschuld; dennoch wurde Stadler aus Audi-Diensten entlassen.

Der gebürtige Niederländer Schot wurde erst vor Kurzem zu Audi geholt, er arbeitete unter Stadler einige Monate als Vertriebsvorstand und ist seit dessen zwischenzeitlicher Inhaftierung Interimschef von Audi.