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Abgasmanipulation:Dieselskandal bei Audi offenbar größer als bisher bekannt

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Audi ist offenbar noch tiefer in den Dieselskandal verwickelt, als bislang bekannt. Der Autobauer soll einige Dieselfahrzeuge der Abgasnorm Euro-6 noch bis Anfang 2018 verkauft haben, in denen jeweils bis zu vier verschiedene Abschalteinrichtungen verbaut sind. Das haben Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) und des Handelsblatts ergeben.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat die entsprechenden Modelle zurückgerufen, so der BR weiter, und die nicht öffentlichten Bescheide dafür zwischen Oktober 2017 und Januar 2018 verschickt. Insgesamt sollen mehr als 200 000 Fahrzeuge in Deutschland betroffen sein, darunter auch Modelle von Porsche und VW, da die größeren Diesel-Motoren von Audi samt Abgastechnik auch in Fahrzeugen der Schwesterfirmen verbaut wurden.

"Defeat device komm her zu mir!"

Dem Bericht zufolge schlüsselt die Behörde die Strategien in den jeweiligen Bescheiden alphabetisch auf - von A bis D. Das KBA stufe bei mehreren Diesel-Modellen jeweils nur die Strategie A, die sogenannte Aufwärmfunktion, als unzulässige Abschalteinrichtung ein. Die drei anderen Strategien habe Audi aus der Software entfernen dürfen. Die meisten Modelle sollen die Behörden in diesem Zusammenhang aber nicht selbst geprüft, sondern sich lediglich auf Angaben des Unternehmens gestützt haben.

Unterdessen wurde bekannt, so berichtet es ebenfalls der BR, dass schon im Jahr 2003 ein Audi-Entwickler in Anlehnung an Goethes "Erlkönig" ein Gedicht an Kollegen mailte, in dem es um eine illegale Abschalteinrichtung, um ein sogenanntes defeat device, ging.

"Defeat device komm her zu mir!

Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;

Manch' Schweinerei liegt auf der Hand,

die ich will verdecken mit nem Hystereseband."

In Anspielung auf die US-Umweltbehörde CARB, heißt es zudem:

"Mein Serienbetreuer, was birgst du so bang dein Gesicht?"

Siehst, Kunde, du den CARB Officer nicht?

Den Amy mit Scantool und Handschellen? -

"Mein Betreuer - es ist nur ein Provinzsheriff."

Und einige Zeilen später:

Mein Betreuer, und Du Kunde, höret Ihr nicht,

was der Aggregator uns leise verspricht? -

"Seid ruhig, bleibt cool, wahrt Euer Gesicht

es murrt nur der TÜV, die Carb merkt das nich."

Mehr als ein Jahrzehnt später, im Dezember 2015, war es die kalifornische Emissionsschutzbehörde CARB, die den Dieselskandal aufdeckte.

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