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Audi:Der Roadster ist zu teuer

Audi TT 2019

Zwanzig Jahre lang war er stilbildend für Audi: Der gar nicht so protzige Sportwagen namens TT.

(Foto: oh)

Audi lässt den "TT" auslaufen und setzt alles auf Elektromobilität.

So wie diese Wagen präsentiert werden im Audi-Forum, dem Eingang zur Fabrik in Neckarsulm, da würde man denken: die sind auf ewig da, bald schon Design-Ikonen. Links der graue Sportwagen namens R8, mit harten Kanten, aggressiv, viele PS, 222 000 Euro. Rechts der Audi TT, in "Kyalamigrau" kostet er 68 000 Euro. Mit weicheren, aber doch auch fordernden Linien und diesem genieteten Tankdeckel ist er ein Hingucker. Vor allem deshalb hieß es bei Audi zur Einführung vor 20 Jahren: Der Wagen ist wichtiger als ein Formel 1-Einstieg. Doch in Zeiten der teuren Diesel-Aufarbeitung, eines ebenfalls teuren technischen Wandels hin zu neuen Techniken und eines zurückgegangenen Absatzes haben auch vermeintliche Gewissheiten keine Überlebensgarantie. Oder wie es Audi-Vorstandschef Bram Schot am Donnerstag bei der Hauptversammlung sagte: Audi tanze auf zu vielen Hochzeiten - und müsse sich fokussieren. Wobei gelte: "Fokussieren heißt auch weglassen." Weniger Motor-Varianten werde es geben, und eben demnächst auch nicht mehr die beiden herausstechenden Modelle TT und R8; beim ersten ist das Aus beschlossen, beim zweiten sehr wahrscheinlich. Bis zum Jahr 2023 werden noch Exemplare verkauft, beim TT waren es zuletzt 30 000 pro Jahr.

Es könnte, erklärte Schot, ein kleiner elektrische Sportwagen folgen. Das würde ins Bild passen und ein Symbol werden: Wie der Mutterkonzern Volkswagen forciert Audi seine E-Auto-Strategie, um den strenger werdenden Abgasregeln genüge zu tun und Strafzahlungen zu vermeiden. Bis 2025 will Audi zehn Hybrid- und 20 vollelektrische Modelle auf dem Markt haben, die Hälfte darum sollen sogenannte SUVs sein. Wobei er keine "starre Strategie" vorgeben könne, sagte Schot den Aktionären, dazu seien die Verhältnisse in der Welt zu ungewiss.

Mehr als 99 Prozent von Audi sind in VW-Besitz, die Kritik der Eigner der verbleibenden Anteile fiel dennoch scharf aus, gerade in Sachen Diesel: Wieso werbe der Konzern nicht für diese hoch entwickelte Technik und setze stattdessen alles auf Elektromobilität, lautet Kritik. Vor allem aber war bei der Hauptversammlung weiter der Skandal um den Diesel im Fokus.

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen über 20 Mitarbeiter - zumeist ehemalige - wegen der Abgas-Manipulation; allen voran gegen Ex-Vorstandschef Rupert Stadler. Mit einer Anklageerhebung gegen die meisten Beschuldigten wird in den kommenden Monaten gerechnet. Das lastet auf dem Unternehmen, das mittlerweile als "Mutter des Betrugs" gilt. Deshalb lässt sich das Thema nicht verschweigen. Aufsichtsratschef Herbert Diess, der auch den Mutterkonzern VW als Vorstandsvorsitzender führt, delegiert indes die Lösung: Audi habe die Ressourcen erhalten, um nun alle Regelverstöße zu verhindern und zu erkennen. Er werde den Audi-Vorstand um Schot "gezielt" daran messen, ob sich die Kultur im Unternehmen zum Besseren hin wandle. Das könne nicht von oben verordnet werden, antwortete Audi-Chef Schot. Aber er bemühe sich um ein Kultur des Vertrauens, mit weniger Hierarchien und erreichbaren Zielen. Und sei zuversichtlich.

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