Süddeutsche Zeitung

Audi-Chef Bram Schot:"Die Leute müssen sich wieder frei fühlen"

Ein Holländer soll den Autobauer Audi nun aus der Krise führen. Im Interview erklärt er, was er anders machen will als sein Vorgänger Rupert Stadler.

Krawatte trägt ja kaum noch ein Vorstand in der Automobilbranche. Aber schwarzer Rollkragenpulli unterm blauen Anzug, so wie es Bram Schot macht? Das ist nun auch ungewöhnlich. So wie dieser Manager ein bisschen aus der Reihe fällt. In der nächsten Stunde wird ganz viel geduzt und ganz schnell geredet werden: Schot, ein Holländer und Fan des Fußballklubs Feyenoord Rotterdam, will viel über die Firma sagen, die in der Krise steckt, zu sehr in Hierarchien denkt. Und dann will er ja auch noch loswerden, dass er ziemlich gut Ski fährt.

Man trifft sich im Besprechungsraum des Vorstandsgebäudes in Ingolstadt, das A50 heißt. Im Regal stehen Audimodelle, ein gelbes Coupe, das so echt aussieht, dass man gleich ein wenig herumfingern mag. Hier hat sich vor einigen Monaten noch Rupert Stadler erklärt, seine Sicht auf den Dieselskandal und die Herausforderungen der Branche, die sich im Umbruch befindet. Nur Stunden nachdem Stadler im Juni wegen Betrugsvorwürfen im Zusammenhang mit dem Dieselskandal in Untersuchungshaft genommen worden war, wurde Bram Schot als Interimschef eingesetzt. Eine Arbeit, die zehrt, auch weil er seitdem bis spätnachts im Laden ist: Zehn Kilo hat er inzwischen abgenommen. Und die Verantwortung wird künftig nicht weniger. Vor wenigen Tagen hat ihn der Aufsichtsrat zum ordentlichen Chef berufen; zugleich zieht er zum Jahreswechsel in den Vorstand des Mutterkonzerns Volkswagen ein. Sein Rollenverständnis dabei: "Es gibt immer einen, der am Ende verantwortlich ist, und der heißt Bram Schot."

Es sei natürlich kein einfacher Moment, Verantwortung zu übernehmen, kein einfacher Moment in diesem Unternehmen, das unter schlechten Absatzzahlen leidet und immer noch den Aufräumarbeiten des Dieselskandals. "Aber es ist auch eine Chance", sagt er: "Wir haben die Gelegenheit, alles auf den Prüfstand zu stellen und die Dinge zu verändern." Die letzten zwei Jahrzehnte, bis zum Skandal, sei der Autobauer verwöhnt gewesen, sei "ein bisschen träge" geworden - und habe sich verzettelt: "Wir müssen uns mehr fokussieren, wir machen gerade zu viel", sagt Schot. Und fordert mehr Leistung: Der Output der 90 000 Mitarbeiter sei zu gering. Wobei es nicht einfach darum gehe, mehr zu arbeiten: Die vielen Ideen im Unternehmen müssten gedeihen können. Dafür sei das Klima entscheidend: "Wie gehen wir miteinander um? Die Leute müssen sich wieder frei fühlen!"

Lesen Sie im ausführlichen Antrittsinterview, welche fünf Stoßrichtungen der neue Audi-Chef hat, was seine Opas ihm lehrten und weswegen es praktisch ist, dort Gewichte zu heben, wo die eigenen Mitarbeiter sind.

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