Audi Autohersteller streicht Nachtschicht

Der Autohersteller will seine Produktion teilweise vom Drei- auf ein Zweischichtsytem umstellen. Dadurch soll ein zweistelliger Millionenbetrag eingespart werden. Der Audi-Betriebsrat bedauert den Schritt, weil Nachtzuschläge wegfallen.

Von Max Hägler und Vivien Timmler 

Im Ingolstädter Audi-Werk stehen künftig nachts einige Bänder still. Der Autohersteller will seine Produktion teilweise vom Drei- auf ein Zweischichtsystem umstellen und streicht in diesem Zuge zum 1. Mai eine seiner drei Nachtschichten, bestätigte ein Sprecher. Betroffen ist demnach die Montagelinie 1, auf der in der Nacht die Modelle A4 und A5 gebaut werden. Die Tagesschicht solle im Gegenzug schneller getaktet werden. Ziel sei es, durch den Wegfall der Schicht einen zweistelligen Millionenbetrag einzusparen.

Aus dem Audi-Betriebsrat ist Bedauern über diesen Schritt zu vernehmen. Nachtschichten bedeuten für die Beschäftigten bislang Aufschläge von 30 Prozent - Geld, auf das viele nicht so einfach verzichten wollen und können. Dem Unternehmen zufolge sind von dem Schritt etwa 450 Mitarbeiter betroffen, die direkt an der Montagelinie arbeiten, sowie eine unbestimmte Zahl von Beschäftigten aus angrenzenden Bereichen. Mit ihnen sollen Einzelgespräche geführt werden.

Audi kriselt gehörig. Die VW-Tochter hat im vergangenen Jahr nur 1,8 Millionen Autos verkauft und ist damit hinter Mercedes und BMW zurückgefallen. Auf allen Märkten ging der Absatz zurück: in Europa, den USA und China. Noch immer gibt es große Probleme mit den neuen Abgasregeln, viele Fahrzeuge sind zwar gebaut, lassen sich aber nicht verkaufen, weil die Zulassung fehlt. Um Geld zu sparen, will der neue Audi-Chef Bram Schot unter anderem ein Sparprogramm auf Management-Ebene durchsetzen. Mindestens zehn Prozent der etwa zweieinhalbtausend Führungskräfte sollen in den kommenden Jahren gehen.

Ein weiteres Problem für Audi: Der Standort Ingolstadt hat zuletzt im VW-Konzern an Bedeutung verloren. Einst als der Ort der Innovation im Konzern angesehen, ist das Werk mittlerweile zurückgefallen. Inzwischen liegen die Ingolstädter selbst bei der Produktivität weit hinten. Ursprünglich sollte hier 2019 etwa eine halbe Million Autos gefertigt werden - mittlerweile rechnet man mit deutlich weniger. Seit im Dieselskandal immer deutlicher geworden sei, dass Audi "die Mutter des Betruges" gewesen ist, sei die Kultur endgültig verfallen, sagen Audianer.