ATU in der Krise:Service-Nachfrage geht zurück

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Für ATU hat sich in den zurückliegenden Jahren manches zum Negativen verändert. Der typische ATU-Kunde fährt ein zehn Jahre altes Auto, an dem er selbst herumschraubt oder das er günstig repariert haben will. Doch moderne Autos werden immer besser, brauchen weniger Ersatzteile und Service. Wehmütig trauern die ATU-Manager den Golf-GTI- oder Manta-Besitzern der Achtzigerjahre nach, die sich nach dem Erwerb ihrer tiefer gelegten Statussymbole erst einmal einen Satz neue Alu-Felgen kauften. Solche Leute gibt es kaum noch. Die Bereitschaft, am Auto herumzubasteln, sei "deutlich zurückgegangen", weiß Scheuch.

Zudem werden die Autos komplizierter. Der wachsende Anteil der Elektronik in den Fahrzeugen macht in den Werkstätten Investitionen in moderne Diagnosecomputer nötig. Vor denen schreckte die klamme ATU zurück. Zudem entdeckten die Vertragswerkstätten, die lange mit Arroganz und hohen Preisen weniger solvente Kunden zu ATU getrieben hatten, selbst die Servicefreundlichkeit. "Das Wettbewerbsumfeld hat sich für uns dramatisch verändert", stellt der Firmenchef fest. " Wichtige Parameter stehen gegen uns."

900 Arbeitsplätze weniger

Zwei Dinge muss Sanierer Scheuch schaffen. Sonst ist es zu spät für ATU. Trotz einer Beschäftigungsgarantie bis 2018 muss er den Betriebsräten die Streichung von 900 Arbeitsplätzen abtrotzen. Scheuch will die Mieten für die 647 Filialen um mindestens 30 Prozent reduzieren. "Die sind viel zu hoch", erklärt er. Sein Pech. Fast alle Immobilien, in denen ATU werkelt, gehören demselben Besitzer. Fast alle Mietverträge laufen bis 2020. ATU ist gefesselt. Scheuch könnte keine Filiale dichtmachen. "Bei solchen Rahmenbedingungen bekommt man keine Veränderung hin", beschreibt er seine Lage.

Scheuch hatte eigentlich gar nicht vor, nach seinem vorigen Job noch einmal ins Tagesgeschäft zu gehen. Ein paar Aufsichtsratsmandate, das sollte genügen. Bei ATU war er genau eine Stunde Chef des Kontrollgremiums, dann beschloss er, sich nicht auf andere zu verlassen. Er übernahm den Chefjob selbst, mietete sich am Ort eine Wohnung und war plötzlich "mit einem tierischen Arbeitspensum konfrontiert, das ich eigentlich nicht mehr machen wollte". Schnell war klar: "Dieser Fall ist schwierig."

Er muss nicht nur die Kosten schnell herunterprügeln, es gilt auch, das Geschäftsmodell von ATU wieder zu justieren: "Wir müssen zurück zu den Wurzeln". Er will die Kompetenz der Werkstätten wieder stärken, die zuletzt vernachlässigt wurde: "Der Krieg wird in der Werkstatt gewonnen." Wenn im Herbst die Wintersaison beginnt und das wichtige Geschäft mit den Reifen einsetzt, will er erste Ergebnisse sehen. Viele Experimente kann sich ATU nicht mehr leisten. Ein Manager des Hauses sagt es offen: "Wir haben nur noch einen Versuch."

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