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Atomausstieg: Regierung und Stromkonzerne:Rosenkrieg um Reaktoren

Unter Gerhard Schröder und zunächst auch unter Angela Merkel waren sie Gelddruckmaschinen. Jetzt lässt die Regierung die Stromkonzerne fallen, die sie einst gehätschelt hat. AKW werden reihenweise abgeschaltet, die Kanzlerin will nicht mehr mit den Atombossen gesehen werden. Ein beispielloser Vorgang.

Der 14. Juni ist für die deutsche Energiewirtschaft nicht irgendein Datum. Genau vor elf Jahren unterzeichneten Stromkonzerne und Bundesregierung ihren Atomausstiegs-Konsens. Es ist ein Vertragswerk wie aus einer anderen Zeit. Zwar war keine Seite richtig glücklich damit, dennoch ist darin die Rede von Respekt, von gemeinsamen Anstrengungen. So halbwegs einig war man sich damals, am 14. Juni 2000 in Berlin.

Germany To Abandon Nuclear Power By 2022

Steht bereits still - und wird nicht wieder ans Netz gehen: Das Atomkraftwerk Krümmel

(Foto: Getty Images)

Elf Jahre später ist das Verhältnis zerrüttet. Die Kanzlerin, die sich noch im vorigen Jahr mit den Chefs von RWE und Eon im Kernkraftwerk Lingen ablichten ließ, will jetzt mit den Atombossen nicht mehr gesehen werden. Die Verlängerung der Atom-Laufzeiten, im vorigen Herbst angeblich nötig für den klimaverträglichen Umbau der Energieversorgung, ist schon kassiert. Seit dem Reaktorunglück in Fukushima gilt nun wieder der Rahmen vom 14. Juni 2000 - nur diesmal im Konflikt mit den Betreibern.

Die Atomkonzerne werden klagen, gegen die Kernbrennstoffsteuer, gegen die Verkürzung der Laufzeiten. Der RWE-Konzern schließt nicht aus, den Reaktor Biblis B noch einmal für ein paar Wochen laufen zu lassen, ehe er endgültig vom Netz geht. Vieles spricht zwar dagegen, dass der RWE-Vorstand derart auf Konfrontationskurs geht. Doch unmöglich ist in dieser seltsamen Beziehung nichts mehr. Regierung und Energiekonzerne - sie liegen im Rosenkrieg.

Die Lage insbesondere der Energiekonzerne Eon und RWE hat sich dramatisch verändert. Der Regierung Schröder galten sie als "nationale Champions", die beschützt werden müssen, und sei es auf Kosten des Wettbewerbs am Strom- und Gasmarkt. So wurden aus vier Stromkonzernen, auch aus Vattenfall und EnBW, Gelddruckmaschinen. Ihr Börsenwert machte feindliche Übernahmen unwahrscheinlich, so war das auch gedacht.

Die Regierung Merkel ließ sie weiter Geld drucken, insbesondere durch die Laufzeitverlängerung vom Herbst. Nicht nur durften die Unternehmen nun ihre großteils abgeschriebenen Reaktoren noch länger nutzen, der deutsche Strommarkt wurde auch für potentielle Konkurrenten weniger interessant: Schließlich blieb die Leistung der AKW noch viel länger am Netz als am 14. Juni 2000 ausgemacht. Investitionen in mehr Wettbewerb wurden so wieder aufgeschoben, zum Nachteil der Stromkunden.

All das hat sich im Juni 2011 geändert.