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Artenvielfalt:Die Bienen-Vermittler

Beesharing

"Es gibt in Deutschland zwar genügend Imker, doch die sind nicht genügend mit den Bauern vernetzt", sagt Otmar Trenk, einer der Gründer.

(Foto: oh)

Bienenvölker sind vielerorts rar. Ein Start-up bringt deshalb Imker mit Obstbauern und Landwirten zusammen.

Bienen sind gefährdet - und eine begehrte Ware. Das lässt sich zum Beispiel daran erkennen, dass immer häufiger Völker gestohlen werden. Solche Fälle häufen sich etwa nach einem harten Winter mit hohen Verlusten. Dann sind gesunde Völker kaum zu bekommen, und die Diebe wittern ein gutes Geschäft. In der Landwirtschaft sind die Pollensammler schließlich unverzichtbar: Ohne Bienen gibt es kaum Obst, und ein Teil der Feldfrüchte ist auch auf ihren Besuch angewiesen.

Die Firma Beesharing hat aus der Bienenknappheit ein Geschäftsmodell gemacht. Das Hamburger Start-up vermittelt mehr als 30 000 Honigbienenvölker. Die Online-Plattform bringt Imker mit Obstbauern und Landwirten zusammen. Wenn etwa ein Apfelbauer für seine blühenden Bäume Bestäuber braucht, kann er über das Netzwerk einen Imker in seiner Region finden. Werden sie sich einig, lässt dieser seine Völker in der Plantage ausschwärmen und sorgt so dafür, dass seine Bienen im Frühjahr reichlich Nahrung für ihre Brut finden.

Beesharing bietet eine Lösung für ein Problem, das viele Erzeuger in der Landwirtschaft betrifft. "Es gibt in Deutschland zwar genügend Imker, doch die sind nicht genügend mit den Bauern vernetzt", sagt Otmar Trenk, einer der Gründer. Deshalb könnten Erzeuger in Deutschland ihren Bestäubungsbedarf nur zu 25 bis 50 Prozent decken. Das liegt nach seinen Angaben auch daran, dass die Zahl der Imker nur in städtischen Räumen zunimmt, während sie auf dem Land sinkt. Viele Bienenhalter hätten zudem Angst, dass ihre Völker in Obstanlagen oder auf Feldern in Berührung mit schädlichen Pestiziden kommen, und seien daher zurückhaltend.

Solche Vorbehalte will Beesharing mit klaren Absprachen und einem umfassenden Beratungsangebot ausräumen. Für die Vermittlung zahlen Imker und Landwirte eine Provision. "Die Höhe der Bestäubungsprämien selbst vereinbaren sie untereinander", ergänzt er. Die Prämien liegen laut Trenk im Schnitt bei etwa 40 Euro pro Bienenvolk, können aber deutlich variieren, je nachdem, um welche Pflanzenkultur und Region es geht. Damit lägen die Prämien hierzulande deutlich unter dem, was in den USA üblich ist. Dort würden zur Mandelblüte bis zu 250 Dollar je Volk gezahlt, sagt Trenk.

Beesharing kauft Honig von Imkern und vermarktet ihn

Neben Bienenvölkern vermittelt die Firma auch Hummeln, Mauerbienen und Goldfliegen für die Bestäubung. Darüber hinaus erstellt das Start-up Stellpläne, damit die Insekten auf dem Acker oder in der Obstplantage am richtigen Ort stehen, sodass Blüten optimal bestäubt werden. Hilfe gibt es auch beim Transport der Bienenstöcke. Ein Teil dieser Leistungen ist für die Nutzer der Plattform kostenlos.

Auch Honig-Fans will das Start-up ansprechen. Beesharing kauft Honig von Imkern und vermarktet ihn, darunter Sortenhonige aus Raps, Lindenblüten, Fenchel und vielen anderen Pflanzen, aber auch regionale Mischungen und Biohonig. Hinzu kommen importierte Raritäten wie mexikanischer Hochlandhonig oder neuseeländischer Manuka.

Demnächst will die Firma einen digitalen Bestäubungsrechner präsentieren

Firmengründer Trenk geht es bei alldem nicht an erster Stelle um Gewinnmaximierung, sagt er. Das Geschäftsmodell müsse nachhaltig sein. Dazu passt, dass Beesharing im Jahr 2014 als gemeinnütziger Verein gegründet wurde, mit dem Ziel, Tier- und Artenschutz stärker ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Als am Ende Fördergeld für langfristige Projekte zum Schutz von Bienen, Hummeln und anderen Insekten fehlte, beschlossen die Gründer, die Sache professionell anzugehen. Seit dem Jahr 2016 ist Beesharing eine GmbH und Trenk einer von zwei Chefs.

Dabei strebte der 32-Jährige eigentlich eine Karriere im Bankensektor an. Als er jedoch den Dokumentarfilm "More than Honey" über das gnadenlose Geschäft mit den Bienen sah, änderte er seinen Plan, erzählt er. Trenk lernte das Imkern, studierte Politikwissenschaften und machte sich auf die Suche nach Gleichgesinnten.

Inzwischen beschäftigt das Unternehmen insgesamt 21 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. Für 2019 ist ein Umsatz von 1,3 Millionen Euro geplant. Gewinne schreibt Beesharing bislang noch nicht. Zu den Geldgebern gehören laut Trenk die Beteiligungsfirmen Hevella Capital, DresInvest und Capacura.

An Ideen mangelt es Beesharing jedenfalls nicht. Demnächst will das Start-up einen digitalen Bestäubungsrechner präsentieren. Mit dessen Hilfe können Obstbauern und Landwirte dann genau berechnen, wie viele Insekten sie auf ihren Flächen und für bestimmte Kulturen brauchen. Trenk will Nutzer der Plattform für die Bedürfnisse von Bienen sensibilisieren, auch damit kein Volk bei einer Vermittlung zu Schaden kommt. Bislang lief das erfolgreich: "Wir haben kein einziges Bienenvolk verloren", sagt Trenk.