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Raumfahrt:"Ariane"-Verzögerungen kosten Jobs

MT Aerospace

MT Aerospace stellt in Augsburg unter anderem Tanks für die Trägerrakete Ariane 6 her.

(Foto: oh)

Der Augsburger Zulieferer MT Aerospace muss gut 100 Stellen streichen und erwartet, dass die "Ariane"-Produktion frühestens 2025 wieder wirtschaftlich wird.

Von Dieter Sürig

Die Verzögerungen beim Programm der neuen europäischen Trägerrakete Ariane 6 haben nun Konsequenzen beim Zulieferer MT Aerospace (MTA) in Augsburg. Bundesregierung und Weltraumagentur Esa haben zwar im März Überbrückungshilfen von knapp 100 Millionen Euro für deutsche Hersteller von Ariane-Komponenten zugesagt, doch rechnet MTA mehrere Jahre lang mit niedrigen Produktionszahlen.

Die Konsequenz ist, dass die Tochter des Raumfahrtunternehmens OHB bis Ende 2022 in der Ariane-Produktion Stellen von etwa 110 der 500 Techniker streichen wird, wie MTA-Chef Hans Steininger der SZ sagte. Etwa die Hälfte per natürlicher Fluktuation und Altersteilzeit und rund 50 wohl mit betriebsbedingter Kündigung und Sozialplan. Parallel dazu will Steininger mit den Überbrückungshilfen hochqualifizierte Jobs von Entwicklungsingenieuren sichern und zum Beispiel die Bereiche 3D-Druck und Wasserstoff weiter entwickeln. "Wir investieren zum Teil siebenstellige Summen in Zukunftstechnologien und stellen auch Leute ein." Die Augsburger Allgemeine hatte zuerst darüber berichtet.

Hintergrund der Stellenstreichungen ist eine Produktionslücke - auch weil sich der Premierenflug der Ariane 6 von 2020 auf Mitte 2022 verschoben hat. "Die Fertigung der Ariane 6 beginnt letztendlich zwei Jahre später und dies mit ganz niedrigen Stückzahlen", sagt Steininger. Er erwartet, die kommenden zwei, drei Jahre jeweils nur Tanks und Boosterstrukturen für höchstens vier Raketen der neuen Ariane-Generation bauen zu können. Die ursprünglichen Planungen waren mittelfristig sogar von elf Raketen pro Jahr ausgegangen. Die Untergrenze, um die Produktion wirtschaftlich organisieren zu können, liege aber bei sechs Stück. Steininger rechnet damit nun frühestens 2025. Erschwerend kommt dazu, dass die Esa wegen der gesunkenen Nachfrage den Bau der letzten zehn Ariane-5-Raketen gestrichen hatte. Sie hätten die Augsburger Ariane-Produktion noch bis Ende dieses Jahres ausgelastet. Deshalb müsse die Planung angepasst werden - unabhängig von den Überbrückungsmitteln.

Die wachsende Konkurrenz durch Space-X dürfte die Misere noch verschärfen

"Es ist ein harter Rückschlag für den Standort Augsburg", sagt Angela Steinecker von der IG Metall Augsburg. Dass die Esa das Ariane-5-Programm vorzeitig beendet habe und die Ariane 6 schlechter anläuft als geplant, dafür könne MTA aber nichts. "Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen, zumal die Befürchtung besteht, dass Know-how verloren geht, das man auch zukünftig noch braucht", so Steinecker. MTA hatte schon im vorigen Jahr 80 Stellen abbauen müssen.

Neben technischen Verzögerungen am Startplatz in Kourou in Französisch-Guyana sowie ausstehenden Triebwerkstests in Lampoldhausen, sind es auch Beeinträchtigungen wegen der Pandemie, die den Zeitplan beim Generationswechsel durcheinander gebracht haben. Und die wachsende Konkurrenz durch den kalifornischen Raketenhersteller Space-X dürfte die Misere noch verschärfen. Eigentlich hatten sich die Ariane-Hersteller darauf eingestellt, mit der neuen Generation die Jahresproduktion zu verdoppeln und deswegen gemeinsam mit der Esa viele Millionen Euro in automatisierte Produktionslinien investiert.

MTA und Ariane-Group haben gerade erst einen Vertrag für die gesamte Laufzeit der Ariane-6-Serienproduktion unterzeichnet - ausgelegt auf jährlich neun bis zwölf Raketenstarts. Bis es soweit ist, werden aber wohl noch Jahre ins Land gehen.

© SZ
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