Süddeutsche Zeitung

Arbeitsmarkt:Es winkt ein Jobrekord

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Nach dem Corona-Schock dürfte es 2022 eine halbe Million Beschäftigte mehr geben. Die Zahl der Selbständigen sinkt jedoch auf ein 25-Jahres-Tief.

Von Alexander Hagelüken

Mit der dramatischen Corona-Krise könnte es am Arbeitsmarkt bald vorbei sein. Vor allem bei Gesundheit, Erziehung und öffentlichen Dienstleistungen entstehen gerade massenhaft Stellen. Insgesamt erreicht die Zahl der normal sozialversicherten Beschäftigten schon bald einen neuen Rekord, sagt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) voraus.

Das IAB ist der wissenschaftliche Arm der Bundesagentur für Arbeit. Nun hat ein achtköpfiges Team in die Zukunft geblickt, um die Entwicklung nach dem Corona-Schock zu skizzieren, als rasch Jobs verlorengingen. Dabei fällt auf: Sowohl für dieses wie für nächstes Jahr sind die Nürnberger Ökonomen beim wirtschaftlichen Wachstum skeptischer als andere Konjunkturforscher. Trotzdem erwarten sie, dass sich die beruflichen Aussichten für viele Deutsche drastisch verbessern.

Demnach entstehen in fast allen Branchen neue Stellen. Auch in jenen, die durch Schließungen besonders gebeutelt waren: Veranstaltungen, Verkehrsbetriebe, Restaurants oder Tourismus. Alle diese Branchen erholten sich in der zweiten Jahreshälfte. Mit Abstand die meisten neuen Jobs gibt es in einem anderen Bereich: Bei Gesundheit, Erziehung und öffentlichen Dienstleistungen steigt die Zahl der Beschäftigten 2021/22 um eine halbe Million, so das IAB. Überdurchschnittlich gut läuft es auch am Bau und bei Information und Kommunikation mit je knapp 100000 mehr. Die Industrieproduktion dagegen wird erst nächstes Jahr zum Jobmotor - und die Finanzbranche stagniert komplett.

Insgesamt stehen die Ampeln auf Grün. IAB-Prognoseleiter Enzo Weber rechnet nicht mit einem neuen Lockdown. Die Arbeitslosigkeit sinke dieses Jahr moderat. Und nächstes Jahr so kräftig, dass 2022 mit durchschnittlich 2,3 Millionen Arbeitslosen fast das Niveau vor der Krise erreicht sein dürfte.

Die Verbesserung zeigt sich vor allem bei den Arbeitnehmern, die normal sozialversichert beschäftigt werden. Ihre Zahl soll nächstes Jahr um mehr als eine halbe Million auf 34,5 Millionen zunehmen. "Damit werden neue Rekordstände erreicht", berichtet Weber. Es ist allerdings nicht so, als hätte Corona nie stattgefunden. Ohne den Wirtschaftseinbruch der Pandemie läge die Beschäftigung nächstes Jahr noch höher.

Trotzdem melden sich schon die Themen zurück, die den Arbeitsmarkt bis zum Corona-Ausbruch bestimmten: Manche Betriebe finden keine Leute. Das gilt etwa auch für Restaurants und Hotels, die binnen kurzem ihr Personal aufstocken müssen.

In den nächsten Jahren dürfte sich dann die demografische Entwicklung mehr und mehr bemerkbar werden: Die Bevölkerung altert und schrumpft. "Es wird durch die demografische Entwicklung in Deutschland zu wenig Arbeitskräfte geben", warnte Detlef Scheele, Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, kürzlich im Interview. "Ich verstehe nicht, warum darüber niemand redet." Vergangenes und dieses Jahr nahm die Zahl der Bürger im typischen Berufsalter um insgesamt 200000 ab. Nächstes Jahr gibt es laut der IAB-Prognose - etwa durch mehr Zuzüge nach Deutschland - allerdings eine kleine Verschnaufpause.

Die allgemeine Erholung am Arbeitsmarkt zeigt sich bei einer Gruppe nicht: Bei Selbständigen. Viele traf die Corona-Krise hart. Ihre Zahl schrumpft ohnehin seit Jahren, weil sich leichter eine Festanstellung in einer Firma finden lässt als in den Nullerjahren. Bis Ende 2022 dürfte die Zahl der Selbständigen weiter abnehmen - auf 3,9 Millionen, den niedrigsten Wert seit 1996.

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