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Corona-Krise:Teil-Lockdown kostet kaum Jobs

Personaldienstleister Zenjob in sechs weiteren Städten

Vor allem in Warenhäusern, bei Hotels und Fluglinien kostet die Pandemie auf Dauer Arbeitsplätze

(Foto: iStock/obs)

Trotz der Schließung von Restaurants, Sport- und Kulturstätten gibt es im Dezember nur 8000 Arbeitslose mehr. Warum ist das so?

Von Alexander Hagelüken

Die Maßnahmen gegen steigende Corona-Infektionen sorgen in Deutschland zunächst kaum für Entlassungen. Nachdem die Politik Restaurants, Sport- und Kulturstätten ab November geschlossen hatte, war die Arbeitslosigkeit in diesem Monat trotzdem geschrumpft. Im Dezember nahm sie nur um 8000 auf 2,71 Millionen Menschen zu. Allerdings steigt die Arbeitslosigkeit im Winter immer, weil etwa Baustellen brachliegen. Rechnet man diesen Saisoneffekt heraus, gab es im Dezember sogar fast 40 000 Stellensucher weniger im November.

Warum kosten die Schließungen zunächst kaum Jobs? Ein Grund dafür ist, dass Firmen im Dezember für fast 700 000 Mitarbeiter neu Kurzarbeit anmeldeten, um Entlassungen zu vermeiden. "Die Anzeigen für Kurzarbeit haben wieder zugenommen, jedoch nur in begrenztem Umfang", sagt Detlef Scheele, Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit.

Der neuerliche Teil-Lockdown hat sich bisher also nicht gravierend auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Bei dieser positiven Bilanz muss man jedoch berücksichtigten, dass die Zahlen der Bundesagentur immer nur die Entwicklung bis Mitte des Monats erfassen. Wie sich die Verschärfung des Lockdowns vor Weihnachten auswirkt, der auch Geschäfte betrifft und bis Ende Januar ausgedehnt werden soll, ist deshalb noch unklar. Die Hoffnung ist, dass erneut Kurzarbeit und andere staatliche Hilfen Entlassungen verhindern. Das gelang schon im Gesamtjahr 2020, als massive staatliche Maßnahmen eine größere Katastrophe am Arbeitsmarkt durch die Pandemie verhinderten. Zwar stieg die Zahl der Stellensucher im Jahresdurchschnitt um gut 400 000 auf knapp 2,7 Millionen an. In anderen Industriestaaten hat die Corona-Krise aber bei Weitem mehr Jobs gekostet.

Wie es am deutschen Arbeitsmarkt weitergeht, hängt nun von der ökonomischen Entwicklung ab. Die meisten Konjunkturforscher gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach dem Corona-Schock dieses Jahr wieder um drei bis fünf Prozent wächst. Der langjährige Wirtschaftsweise Bert Rürup glaubt allerdings, dass das Bruttoinlandsprodukt in den ersten drei Monaten 2021 noch schrumpft. Deutschland wäre dann erneut in der Rezession. "So lange die Pandemie nicht wirklich überwunden ist, wird die Erholung nicht gradlinig sein", so Rürup.

Zudem dürfte der Teil-Lockdown zumindest bis Ostern noch große Teile von Wirtschaft und Gesellschaft prägen. "Die Arbeitslosigkeit steigt dieses Jahr um mehr als 100 000 an", sagt Rürup. Wegen der Bundestagswahlen 2021 werde die Politik jedoch vieles versuchen, um den Anstieg abzubremsen oder zu kaschieren. Nach Auslaufen dieser Maßnahmen nehme die Arbeitslosigkeit in diesem Jahr trotz des Aufschwungs zunächst wohl weiter zu und liege dann im Jahresschnitt knapp unter drei Millionen. "Die Krise hätte dann insgesamt 700 000 Menschen dauerhaft arbeitslos gemacht."

Weniger Dienstreisen, weniger Einkäufe in der Innenstadt

Optimistischer ist Timo Wollmershäuser. "Die Industrie zeigt seit Herbst keine Tendenz zur Schwäche", sagt der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts. "Man könnte fast schon sagen, es brummt dort. Dazu kommt, dass der Impfstoff jetzt da ist. Ich glaube, die deutsche Wirtschaft wird sich rasch erholen." Zwar drücke eine verlängerte Schließung von Geschäften auf die Konjunktur. Wollmershäuser rechnet aber schon im ersten Quartal mit einem leichten Wachstum der deutschen Wirtschaft. Für das zweite Quartal sieht er dann ein kräftiges Plus von fast drei Prozent.

Was den Arbeitsmarkt angeht, habe die Kurzarbeit viele Entlassungen verhindert. "Firmen, die wirklich entlassen haben, stellen aber wahrscheinlich erst mal nicht mehr ein", so Wollmershäuser. Der Ökonom sieht einen grundlegenden Strukturwandel durch die Pandemie: weniger Dienstreisen, weniger Einkäufe in der Innenstadt. Das koste bei Hotels, Fluglinien und Warenhäusern Arbeitsplätze. Die Arbeitslosigkeit stagniere in diesem Jahr bei 2,7 Millionen und gehe 2022 nur auf 2,5 Millionen zurück. Das wären immer noch 250 000 mehr als vor Ausbruch der Pandemie.

© SZ/vit
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