Arbeitsmarkt:Abschwung  absehbar

Die Arbeitslosenquote steigt, die Zahl der offenen Stellen dagegen geht zurück: Die Zeichen auf dem Arbeitsmarkt deuten auf Abschwung hin. Der zuständige Minister Hubertus Heil sagt, man sei auf diese Situation vorbereitet.

Von Henrike Roßbach, Berlin

Die schwächere Konjunktur hat erste Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) meldete am Donnerstag für August 2,32 Millionen Arbeitslose, 44 000 mehr als im Juli. Die Arbeitslosenquote stieg leicht von 5,0 auf 5,1 Prozent. Ein Teil des Anstiegs ist jahreszeitlich bedingt; hinzu kamen allerdings auch konjunkturelle Effekte: Selbst wenn saisonale Schwankungen herausgerechnet werden, bleibt es bei einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Gegenüber August 2018 allerdings sind immer noch 31 000 weniger Menschen arbeitslos.

Auch die Zahl der offenen Stellen sinkt. Im August waren 795 000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 33 000 weniger als vor einem Jahr. BA-Chef Detlef Scheele sprach von einer konjunkturellen Schwächephase. Alles in allem aber zeige sich der Arbeitsmarkt robust. Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte: "Der deutsche Arbeitsmarkt bleibt stark." Immerhin: Die Zahl der Erwerbstätigen ist weiter gestiegen, wenn auch weniger stark. Im Juli, so die neuesten Zahlen, lag sie bei knapp 45,3 Millionen, 14 000 mehr als im Juni und 374 000 mehr als ein Jahr zuvor. Dahinhinter steckt vor allem das Plus von 515 000 sozialversicherungspflichtigen Stellen. Insgesamt waren im Juli knapp 33,4 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

"Der längste Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt seit 50 Jahren geht offenbar zu Ende", sagt Dominik Groll, Arbeitsmarktexperte des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Er geht von einem Wendepunkt aus. Der Tiefpunkt der Arbeitslosigkeit sei durchschritten; von nun an werde die Arbeitslosenquote ansteigen.

Arbeitsminister Heil beteuerte: "Wir treffen Vorsorge." Er verwies auf die Instrumente und Rücklagen der BA, das Kurzarbeitergeld und die Möglichkeiten staatlich geförderter Weiterbildung. Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds, lobte angesichts der Arbeitsmarktzahlen Heils jüngsten Vorstoß, den Bezug von Kurzarbeitergeld mit einer Weiterbildung zu verknüpfen.

Es bahnen sich allerdings schon Verteilungskonflikte an. Während Buntenbach davor warnte, wegen der Eintrübung am Arbeitsmarkt auf Vorhaben wie die Einschränkung befristeter Verträge zu verzichten, forderten die Arbeitgeber, die Regierung müsse jetzt die Standort- und Wirtschaftspolitik "zu einer wirklichen Priorität" machen. Wirtschaftliche Stärke und soziale Stabilität seien keine Selbstläufer, teilte die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände mit. "Dazu gehört, die Debatte um die Einschränkung sachgrundloser Befristungen endlich in den Ruhestand zu verabschieden."

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