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Corona-Krise und Arbeitsmarkt:Arbeitslosenzahl steigt im Mai um 169 000

Agentur für Arbeit

Die Arbeitsagentur legt die aktuellen Zahlen zum Arbeitsmarkt vor.

(Foto: dpa)

Insgesamt sind in Deutschland damit etwa 2,8 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Auch die Zahl der angemeldeten Kurzarbeiter stieg erneut.

Die Arbeitslosenzahlen in Deutschland sind im Mai durch die Corona-Krise erneut stark gestiegen, aber nicht mehr so stark wie im Vormonat. Im Mai, in dem es normalerweise eine Frühjahrsbelebung gibt, waren 169 000 Menschen mehr arbeitslos als im April - insgesamt 2,8 Millionen. "Der Arbeitsmarkt ist wegen der Corona-Pandemie weiterhin stark unter Druck", sagte Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit. "Jeder fünfte Arbeitslose geht auf den Corona-Effekt zurück." Im Vergleich zum Jahr davor waren fast 600 000 Menschen mehr ohne Arbeit.

Außerdem meldeten die Unternehmen im Mai für eine Million Beschäftigte Kurzarbeit an, nach zusammen 10,7 Millionen im März und April. Wie viele davon wirklich kurzarbeiteten, ergibt sich erst später aus den Abrechnungen. Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts waren im Mai 7,3 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. "Diese Zahl war noch nie so hoch", sagt Ifo-Arbeitsmarktexperte Sebastian Link. "In der Finanzkrise lag der Gipfel der Kurzarbeit im Mai 2009 bei knapp 1,5 Millionen Menschen."

Im April war die Arbeitslosigkeit bereits um 300 000 im Vergleich zum März gestiegen. Warum stieg sie im Mai nicht mehr so stark an? "Vielleicht wirken die Lockerungen, vielleicht gibt es bei den Firmen Optimismus, es doch zu schaffen", sagte Agenturchef Scheele. "Wenn sich die Zahlen weiter abflachen, sollten wir zufrieden sein. Zurzeit kommen wir ganz gut durch, finde ich."

Wie sich die Arbeitslosigkeit weiterentwickelt, hängt stark von der Entwicklung der Konjunktur ab. Mehrere Forschungsinstitute gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaftsleistung dieses Jahr um rund sieben Prozent schrumpft - das wäre der stärkste Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit, rechnet damit, dass die Arbeitslosigkeit bald über drei Millionen steigt.

Regierung berät weiter über Konjunkturprogramm

Danach allerdings werde die Arbeitslosigkeit wieder zurückgehen und im Jahresdurchschnitt bei etwa 2,8 Millionen liegen. Das wäre eine halbe Million mehr als 2019. Im Vergleich zu der dramatischen Entwicklung in Südeuropa oder den USA hielten sich die Wirkungen der Corona-Pandemie auf den deutschen Arbeitsmarkt damit aber in Grenzen, wenn sich die IAB-Prognose bewahrheitet.

Bei dieser Vorausschau gehen die Forscher davon aus, dass es nicht zu einer zweiten Welle starker Beschränkungen der Wirtschaft wegen der Pandemie kommt. Diese Prognose geht auch nicht von einer systemischen Krise aus, bei der sich die Weltwirtschaft in den kommenden Monaten nicht vom Corona-Schock erholen würde.

Ökonomen betonen, dass die Kurzarbeit nicht in Massenentlassungen umschlagen muss, wenn die Unternehmen eine Perspektive sehen. Dazu wäre es nötig, dass sich die deutsche Wirtschaft wie erwartet erholt. Nahezu einhellig fordern die Ökonomen auch ein Konjunkturprogramm, über das Union und SPD heute weiter beraten. "Ich glaube, dass es nötig ist, ins wirtschaftliche Geschehen einzugreifen", sagte Agenturchef Scheele dazu. "Man sollte alles vermeiden, was nur ein Strohfeuer ist. Es ist gut, Kommunen die Finanzierung zu erleichtern."

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