Arbeitskampf US-Stahlarbeiter fordern mehr Geld

Die von Präsident Trump verhängten Strafzölle lassen die Stahlpreise steigen, die Unternehmen stehen gut da - bei gleichbleibenden Kosten für Material und Löhne. Das wollen die Beschäftigten nicht länger hinnehmen.

Von Vivien Timmler

Es sind gute Zeiten für die US-Stahlindustrie: Seit drei Monaten gelten die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Strafzölle für Stahl- und Aluminiumeinfuhren aus der EU, Kanada und Mexiko. Der Stahlpreis ist schon seit Ankündigung der Zölle deutlich gestiegen: Noch zu Beginn des Jahres kostete eine Tonne Stahl in den USA etwa 660 Dollar. Mittlerweile liegt sie bei etwa 863 Dollar. Das ist ein Preisanstieg von mehr als 30 Prozent.

Davon profitieren vor allem die großen US-Stahlhersteller. Sie können ihre Produkte zu deutlich höheren Preisen verkaufen, während die Kosten für Material und Löhne in etwa gleich bleiben. Einige Angestellte wollen das nicht länger hinnehmen: Die Stahlarbeiter der zwei großen US-Stahlkonzerne US Steel und Arcelor Mittal fordern von ihren Arbeitgebern mehr Lohn. Der US-Gewerkschaft United Steelworkers zufolge machen die Konzerne bislang jedoch keine Anstalten, ihre Mitarbeiter langfristig an den steigenden Gewinnen teilhaben zu lassen.

Hintergrund der Forderung ist ein dreijähriger Verzicht auf Gehaltserhöhungen, dem die Stahlarbeiter der Konzerne im Jahr 2015 zugestimmt haben. Damals ging es den Stahlherstellern in den USA sehr schlecht, die Belegschaft wollte auf diese Weise betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Nun aber stehen neue Verhandlungen an - und die Konzerne deutlich besser da als noch vor drei Jahren.

Anfang der Woche veröffentlichte US Steel auf seiner Website einen Entwurf für einen neuen Sechsjahresvertrag. Doch sowohl Form als auch Inhalt erzürnen die Gewerkschaft. Der Konzern will seinen Mitarbeitern demnach zwar umgehend je 15 000 Dollar auszahlen und sie für das laufende Jahr mit 6000 Dollar am Gewinn beteiligen. Im Gegenzug sollen die Arbeiter aber langfristig auf Gehaltserhöhungen und Gewinnbeteiligungen verzichten. Das wollen die Beschäftigten nicht akzeptieren. Sie haben die Gewerkschaft ermächtigt, einen Streik gegen US Steel zu organisieren. Der Konzern macht einen Großteil seines Umsatzes mit flachgewalztem Stahl, der für die Herstellung von Blechdosen bis hin zu Autotüren verwendet wird. Eigenen Angaben zufolge soll das bereinigte Vorsteuereinkommen des Unternehmens in diesem Jahr um mehr als 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigen - nicht gerade die beste Ausgangslage für eine defensive Gehaltspolitik.