Lohnerhöhung:Die Stahlindustrie als Orientierungsmarke

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Als Orientierungsmarke dient dabei der neue Tarifabschluss in der Stahlindustrie mit einem Plus von 3,6 Prozent: Die Chemiegewerkschaft IG BCE hat bereits Zuschläge zwischen sechs und sieben Prozent gefordert. Im öffentlichen Dienst der Länder gibt verlangt Verdi insgesamt fünf Prozent. Auch bei Volkswagen, am Bau, den Versicherungen und im Großhandel- und Einzelhandel wird über neue Tarife verhandelt.

Überall wird dabei die Devise der Gewerkschaften lauten: Diesmal muss mehr drin sein als im alten Jahr, eine Drei vor dem Komma sollte schon herauskommen. Die Tarifabschlüsse 2010 zeigen dagegen noch Spuren der Krise: Nach den Berechnungen des Sachverständigenrates der Bundesregierung stiegen sie, auf Stundenbasis gerechnet, um lediglich 1,7 Prozent.

Das Wachstumsplus im nächsten Jahr, das Wirtschaftsverbände und Ökonomen je nach Prognose zwischen 1,7 und 2,4 Prozent taxieren, dürfte sich auch am Arbeitsmarkt positiv auswirken. Jedes fünfte Unternehmen will 2011 mehr Arbeitsplätze schaffen. Das ergab eine Umfrage des Ifo-Instituts bei 650 Firmen.

Allerdings planen demnach fast drei Viertel der Unternehmen, weder Personal einzustellen noch zu kürzen. Deutlich positiver fiel eine Umfrage des Verbandes "Die Familienunternehmer" aus. Danach kündigten immerhin 40 Prozent der Firmen an, ihren Personalbestand zu erhöhen. Nur sechs Prozent wollen ihn reduzieren.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn rechnet mit einem Rückgang der Erwerbslosen um etwa 300.000 auf durchschnittlich 2,9 Millionen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gibt sich ebenfalls optimistisch. Die Forscher sehen die "Unterbeschäftigung" schwinden.

Darunter versteht das IAB die Zahl der registrierten Arbeitslosen plus Erwerbslose, die von bestimmten Fördermaßnahmen der Bundesagentur profitieren, aber in der Statistik nicht mitgezählt werden, sowie Jobsuchende, die von der BA überhaupt nicht erfasst sind. Ihre Zahl könnte sich um 370.000 auf 3,81 Millionen verringern - das wären so wenige wie niemals zuvor im geeinten Deutschland. Gleichzeitig erwartet das IAB, dass im neuen Jahr im Schnitt 40,63 Millionen Menschen erwerbstätig sind - ebenfalls so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

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