Arbeit:Was macht eigentlich ein Entwicklungsingenieur?

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Soll ein Auto autonom fahren, braucht es funktionierende Sensoren. Als Ingenieur ist Moritz Brenner zum Beispiel an der Entwicklung der Reinigungsdüsen für die Sensoren beteiligt. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn (Foto: dpa)

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Stockdorf (dpa/tmn) - Sich beruflich mit selbstfahrenden Autos beschäftigten: Was vor einigen Jahrzehnten noch nach Science-Fiction geklungen haben mag, ist heute Alltag.

Entwicklungsingenieur Moritz Brenner setzt sich bei Webasto jeden Tag mit dem Thema autonomes Fahren auseinander. Dabei geht es um Details. Sein offizieller Job-Titel lautet Systems Development Engineer, Roof Sensor Module. Was genau sich dahinter verbirgt, erzählt er im Job-Protokoll:

Darum geht es in meinem Beruf

Ich bin Entwicklungsingenieur beim Automobilzulieferer Webasto. Mein Job ist es, Produkte neu- oder weiterzuentwickeln. Grundsätzlich ist "Entwicklungsingenieur" aber eine weit gefasste Berufsbezeichnung und die spezifischen Tätigkeiten können sich je nach Einsatzfeld stark unterscheiden. In meinem Fall arbeite ich im Projekt "RSM", die Abkürzung steht für Roof Sensor Module.

Unser Team entwickelt Dachsysteme für Pkw, in die wir Sensoren für das autonome Fahren integrieren können. Mein Thema ist dabei die Sensorverfügbarkeit.

Die Sensoren sind so etwas wie die Augen des Fahrzeugs. Sie sind dafür zuständig, die Umgebung zu erkennen. Das funktioniert am besten von einer erhöhten Position, weshalb das Dach der beste Ort für die Sensoren ist.

Neben der Integration beschäftigen wir uns zudem auch mit der Frage, wie die zuverlässige und automatische Reinigung der Sensoren funktionieren kann.

Mein Weg in den Job

Ich war von klein auf begeistert von Fahrzeugen, das habe ich von meinem Vater mitbekommen. Nach meiner Mittleren Reife bin ich auf ein technisches Gymnasium gegangen. Da ich zu dem Zeitpunkt vorerst genug von der Schulbank hatte, habe ich mich für eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker entschieden, mit dem Ziel, mich danach weiterzubilden.

An meine Ausbildung habe ich deshalb erst einen Bachelor in Fahrzeugtechnik und dann einen Master der Mechatronik und Feinwerktechnik angeschlossen. Über einen ehemaligen Studienkollegen bin ich während meines Masterstudiums auch auf Webasto und das Projekt Roof Sensor Module aufmerksam geworden. Das hat sofort mein Interesse geweckt.

Im April 2021 hatte ich dann die Möglichkeit, eine Werkstudentenstelle im Projekt zu beginnen und letztendlich auch meine Masterarbeit in Kooperation mit Webasto zu schreiben. Im Anschluss bin ich dann als Entwicklungsingenieur voll ins Projekt eingestiegen.

Mein Arbeitsplatz

Ich habe mehrere Arbeitsplätze. Hauptsächlich arbeite ich im Büro im Hauptgebäude in Stockdorf oder von zu Hause aus. Regelmäßig bin ich aber auch an einem Messplatz im Labor. Dort geht es zum Beispiel darum, gemeinsam Prototypen, etwa für Reinigungssysteme der Sensoren auf dem Dach, zu testen und weiterzuentwickeln.

Meine Aufgaben

Kurz zusammengefasst beschäftige ich mich mit der Entwicklung von optimalen Reinigungssystemen für die Sensoren und deren Integration im Dachbereich. Die Aufgaben beginnen in der Ideenphase, in der Konzepte entwickelt werden. Wir schauen etwa, welche Lösungen es bereits auf dem Markt gibt, wie sie sich weiterentwickeln oder ins bestehende Projekt integrieren lassen.

Die Konzepte werden anschließend bewertet und wir treffen eine Auswahl. Aus dem gewählten Konzept entsteht ein Prototyp. Der muss schließlich getestet werden: Was wollen wir erreichen und was entspricht der Realität? Diese Phase begleiten wir, indem wir uns etwa anschauen: Wie lässt sich ein Test realistisch aufbauen? Welche Schnittstellen gibt es? Wie kann man die gefundenen Lösungen für das gewünschte Resultat optimieren?

Die schönsten Seiten

Das Schönste an meinem Beruf ist es, den Fortschritt zu sehen - wenn aus einer theoretischen Idee ein echter Prototyp entstanden ist. Das gilt nicht nur für das eigene Team, sondern für das ganze Projekt. Zu sehen, dass man in die richtige Richtung geht oder ein Teilziel erreicht hat, ist immer motivierend. Auch der Blick auf das große Ganze spornt an: Mit seiner Arbeit regelmäßig einen Beitrag dazu zu leisten, die Vision vom autonomen Fahren voranzutreiben.

Die Herausforderungen

Das autonome Fahren ist natürlich ein vergleichsweise neuer Markt. Wir gehen neue Wege und müssen uns und unsere Arbeit regelmäßig an neue Anforderungen anpassen. Gleichzeitig heißt das: Wir wissen nicht immer sofort, was der nächste Schritt in einem Prozess ist. Am Anfang steht daher immer wieder die Frage: Was muss denn jetzt als nächstes gemacht werden?

Es gibt jede Menge Fragezeichen, aber nicht immer sofort die passenden Antworten dazu. Ein Maß an Ungewissheit gehört für Entwicklungsingenieure einfach dazu. Man kann selten mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass man gerade in der richtigen Richtung unterwegs ist. Aber es ist gleichzeitig die Chance, an der Lösungsfindung mitwirken zu können. Das ist es, was ich so mag.

Ohne diese Eigenschaften geht es nicht

In der frühen Phase der Produktentwicklung ist auf jeden Fall Kreativität gefragt. Da muss man weit über den eigenen Tellerrand blicken können und auch Mut für große Ideen haben, die vielleicht zu dem momentanen Zeitpunkt noch gar keinen Sinn ergeben. Es geht ja darum, Dinge für die Zukunft weiterzuentwickeln.

Auch analytische Fähigkeiten sind von Vorteil. Oft sind wir zum Beispiel auch auf der Suche nach Ursachen für Probleme. Mir hilft auch mein praktisches Vorwissen aus meiner Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker sehr weiter - etwa, wenn es darum geht, den Aufbau eines Prototyps zu visualisieren.

© dpa-infocom, dpa:221206-99-801836/5

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