Mitten in der Debatte um Strukturreformen und längere Arbeitszeiten hat der Anteil der Teilzeitbeschäftigten in Deutschland einen Rekord erreicht. Die Teilzeitquote kletterte im zweiten Quartal auf 40,3 Prozent, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Dienstag mitteilte. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten stieg binnen Jahresfrist um 0,5 Prozent, während die der Vollzeitbeschäftigten um 0,9 Prozent sank. Insgesamt fiel die Zahl der Erwerbstätigen um 0,5 Prozent auf knapp 45,7 Millionen Personen.
Als Gründe für die Entwicklung nannte das IAB zum einen, dass nun mehr Menschen in Branchen mit hohem Teilzeitanteil arbeiten, etwa in Schulen, Krankenhäusern oder Kitas. Zum anderen zeige sich ein Stellenabbau in Branchen mit vielen Vollzeitstellen, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe. „Die Konjunktur hat sich zuletzt gefestigt, die Arbeitszeit der Beschäftigten zieht deshalb wieder etwas an“, erklärte Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“. „Aber die Krisenbranche Industrie verliert viele Vollzeitstellen, sodass insgesamt dennoch weniger Stunden gearbeitet wurden.“
Die betriebsübliche Wochenarbeitszeit aller Beschäftigten stieg gegenüber dem Vorjahresquartal etwas und lag insgesamt bei 30,50 Stunden. Während sie bei Vollzeitbeschäftigten mit 38,32 Stunden konstant blieb, stieg die Wochenarbeitszeit bei den Teilzeitbeschäftigten leicht und liegt dem IAB zufolge nun bei 18,88 Stunden. Die Arbeitszeit der Selbständigen und Mithelfenden in Familienbetrieben sank binnen Jahresfrist um 1,2 Prozent. Ein Trend, den man bereits seit einigen Jahren beobachten kann.
Wenn man alle Arbeitsstunden der Beschäftigten in Deutschland zusammenrechnet, sank die Zahl auf 14,4 Milliarden Stunden. Die Arbeitszeit pro Erwerbstätigen blieb mit 314,7 Stunden jedoch unverändert. „Nach Corona gab es noch einmal eine Erholung, aber mittlerweile geht es mit dem Arbeitsvolumen bergab“, erklärte Weber.
