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Arbeit:Diesmal alles ganz anders

Metall- und Elektroindustrie

Viele Berufe, wie Bankkaufmann, haben wohl nicht viel Zukunft. Handwerker oder Erzieher werden auch in den kommenden Jahren voraussichtlich keine Probleme haben, einen Job zu finden.

(Foto: Carsten Rehder/dpa)

IG Metall will in der Tarifrunde vor allem Jobs sichern.

Vier Millionen Menschen arbeiten in der Metall- und Elektroindustrie - und in der anstehenden Tarifrunde ist es der IG Metall wichtiger, deren Jobs zu sichern, als erneut die Löhne deutlich zu erhöhen. Gewerkschaftschef Jörg Hofmann sagte am Freitag in Frankfurt am Main, er werde diesmal "keine bezifferte Forderung zur Erhöhung der Entgelte" stellen. Stattdessen biete er den Arbeitgebern ein "Moratorium für einen fairen Wandel" an. Zuletzt hatte die Gewerkschaft während der Finanzkrise im Jahr 2010 auf eine bezifferte Forderung verzichtet. Beim vergangenen Mal, vor zwei Jahren, betrug diese noch sechs Prozent.

Ein Moratorium stellt sich die IG Metall folgendermaßen vor: Die Arbeitgeber sollten sich bereit erklären, "keine einseitigen Maßnahmen zum Personalabbau, zur Verlagerung von Produkten mit Zukunftsperspektive und zur Schließung von Standorten zu ergreifen". Die Gewerkschaft wiederum strebe "Zukunftstarifverträge" an, und zwar Betrieb für Betrieb. Darin sollten konkrete "Investitions- und Produktperspektiven für Standorte und Beschäftigte", Weiterbildung und der Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen geregelt sein. Sie bietet an, mit den Verhandlungen dazu vor Ende der Friedenspflicht fertig zu werden. Diese läuft am 28. April aus.

Zu den unausgesprochenen Regeln von Metall-Tarifrunden gehört es bisher, die Arbeitgeber zumindest mit Warnstreiks zu belegen. Normalerweise gilt in der Gewerkschaft nur ein erkämpfter Abschluss als guter Abschluss; außerdem sind Warnstreiks immer nützlich, wenn es darum geht, bisherige Mitglieder zu binden und neue anzuwerben. Hofmann versah sein Angebot jedoch mit einem Ultimatum. Er verlangte von den Arbeitgebern, bis zum 3. Februar zu erklären, "ob sie diesen Weg mitgehen wollen". Andernfalls werde die IG Metall "auf dem üblichen Weg ihre Forderung für die Tarifrunde stellen".

Die Arbeitgeber reagierten bislang zurückhaltend. Ihr Verband Gesamtmetall begrüßte es, "dass die IG Metall den Ernst der Lage erkannt hat" und bot Gespräche an. "Wir sind überzeugt davon, dass der Wandel gelingen wird, wenn wir zusammen weiterdenken", hieß es in einer Stellungnahme.

© SZ vom 25.01.2020
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