Arag:Streit um VW-Rechtsschutz

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Der Versicherer Arag hat in Hunderten Fällen zugesagt, Rechtsstreitigkeiten gegen VW zu decken. Bei bestimmten Forderungen aber nicht.

Von Herbert Fromme, Düsseldorf

Etwa 1500 Kunden des Rechtsschutzversicherers Arag wollen gegen Volkswagen oder einen Händler Ansprüche wegen des Diesel-Skandals stellen und suchen dafür Rechtsschutz. In 450 Fällen gab die Arag eine Deckungszusage - davon in 112 Fällen für VW-Aktionäre, die gegen den Konzern vorgehen wollen.

Der Versicherer gibt dagegen keine Zusage, wenn der Kunde von Volkswagen oder einem Händler einen Neuwagen fordern will. Eine Reihe von Anwaltskanzleien empfiehlt das ihren Mandanten. "Wir halten solche Klagen für aussichtslos", sagt Vorstand Hanno Petersen. In Deutschland hätten Kunden nur einen Anspruch auf Nachbesserung durch VW.

In zehn Fällen hätten Gerichte in solchen Fällen gegen Kläger mit Neuwagenanspruch entschieden, nur in einem Fall für den VW-Kunden. "Aber da waren die Abgaswerte Teil des Kaufvertrags für den Wagen", sagte Petersen.

Das sei eine besondere Situation und nicht zu verallgemeinern. Bisher muss sich die Arag mit rund 20 Deckungsklagen von Kunden auseinandersetzen, die auf dem Neuwagen bestehen und dafür Rechtsschutz verlangen. Die Arag hat für alle VW-Fälle drei Millionen Euro zurückgestellt.

Deutlich mehr, nämlich sieben Millionen Euro, haben bislang rechtliche Auseinandersetzungen zwischen Arag-Kunden und Banken oder Bausparkassen um die Kündigung von Darlehensverträgen gekostet. Hier stellen etwa 6000 Kunden des Rechtsschutzversicherers Ansprüche.

Die Arag ist einer der wenigen Versicherer im Familienbesitz. Vorstandschef und Eigner Paul-Otto Faßbender ist mit der Geschäftsentwicklung seines Unternehmens hoch zufrieden. "Wir sind in einer durchaus komfortablen Situation." Der Umsatz stieg 2015 um vier Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Davon stammen 787 Millionen Euro aus der Rechtsschutzversicherung im In- und Ausland, ein Anstieg um knapp acht Prozent. Hier sieht Faßbender gute Wachstumschancen.

Sorgen macht er sich wegen der Niedrigzinsen um die eher kleine Lebensversicherung des Konzerns. In Branchenkreisen heißt es, die Arag könne sich eine Stilllegung des klassischen Lebensgeschäfts mit Zinsgarantie ebenso vorstellen wie einen Verkauf der Tochter. Faßbender will das nicht kommentieren. "Wir denken sehr gründlich nach", sagt er nur. "Ich nehme mir die Zeit."

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