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1. April:Der Aprilscherz ist nicht mehr das, was er mal war

Aprilscherz

Zunächst galten Aprilscherze als harmlos, aber im Lauf der Zeit wurden die Scherze immer ernster.

(Foto: dpa)
  • Aprilscherze haben eine lange Tradition: Einst harmlos und vor allem regional von Bedeutung, wurden sie im Laufe der Zeit immer ernster.
  • Der prominenteste Aprilscherz des vergangenen Jahres kam von Tesla-Gründer Elon Musk. Seine Aktionäre fanden ihn nicht so lustig.
  • Um PR-Pannen zu vermeiden, bittet Microsoft seine Mitarbeiter in einer wenig humorvollen Mail nun sogar, Aprilscherze zu unterlassen.

Von Harald Freiberger

Elon Musk, der Gründer des Elektroauto-Konzerns Tesla, war zum Scherzen aufgelegt, als er am 1. April 2018 diesen Tweet absetzte: "Trotz intensiver Bemühungen, Geld aufzutreiben, einschließlich eines massenhaften Verkaufs von Ostereiern, sind wir traurig, mitteilen zu müssen, dass Tesla bankrottgegangen ist. So bankrott, wie ihr euch das nicht vorstellen könnt." Die Tesla-Eigentümer konnten über den Aprilscherz nicht lachen: Die Aktie stürzte um acht Prozent ab.

Die Lehre daraus ist, dass Verantwortliche großer Unternehmen keine Scherze machen sollten, auch nicht am 1. April. Zumal, wenn sie ohnehin unter Druck stehen, so wie Musk vor einem Jahr, weil Tesla die angestrebten Produktionszahlen für das Modell Tesla-3 nicht erreicht und es zudem einen tödlichen Unfall mit einem Elektroauto gegeben hatte.

Beim Software-Konzern Microsoft nimmt man diese Lehre offensichtlich sehr ernst, wie das US-Technologie-Portal The Verge berichtet. In einer wenig humorvollen internen Mail habe Marketingchef Chris Capossela dieser Tage seine Mitarbeiter gewarnt: "Angesichts des Gegenwinds, dem Technologieunternehmen heutzutage ausgesetzt sind, bitte ich alle Microsoft-Teams, keine öffentlichkeitswirksamen Aprilscherze zu machen." Die Erfahrung zeige, dass solche Gags "begrenzte positive Wirkung haben und unerwünschte Nachrichtenströme auslösen können". Er schätze es ja, dass Leute möglicherweise Zeit und Ressourcen auf solche Aktivitäten verwenden, "aber ich glaube, dass wir mehr zu verlieren haben als zu gewinnen, wenn wir versuchen, an dem Tag lustig zu sein".

Der Aprilscherz hat eine lange Tradition. Nach einer Theorie entstand er im mittelalterlichen Frankreich, wo der Beginn des neuen Jahres bis ins 16. Jahrhundert an Ostern gefeiert wurde. Da Ostern aber immer auf einen anderen Tag fiel, wurde Neujahr irgendwann auf den 1. April festgelegt. Im Jahr 1563 allerdings bestimmte der französische König den 1. Januar zum Neujahrstag. Da es zu dieser Zeit noch kein Internet gab, sprach sich dies in der Bevölkerung nicht so schnell herum. Menschen, die Neujahr weiter am 1. April feierten, wurden von den besser Informierten verspottet und zum Narren gehalten.

Bald war es auch in anderen Ländern Tradition, Menschen "in den April zu schicken". In Bayern ist der erste Aprilscherz im Jahr 1618 erwähnt. Über die Jahrhunderte handelte es sich um meist harmlose, regional begrenzte Scherze, denen klassischerweise Lehrlinge zum Opfer fielen, wenn der Geselle sie um "ein Päckchen Ibidum (= ich bin dumm)" schickte.

Der Whopper für Linkshänder verärgerte viele Kunden

Im Lauf der Zeit aber wurden die Scherze ernster. Die Fastfood-Kette Burger King verärgerte Kunden im Jahr 1998, als sie inserierte, sie habe einen Whopper für Linkshänder erfunden, in dem die Zutaten wie Tomate und Gurke andersherum angeordnet seien. Der Schokoladenhersteller "Ritter Sport" verbreitete 2014 per Facebook, er habe eine neue Sorte mit Mett-Füllung ins Angebot aufgenommen. Am 1. April 2017 gab das Münchner Start-up Fitrate die Meldung heraus, es habe den Fußballer Philipp Lahm als Großinvestor gewonnen. Dessen Berater sprach von "einem billigen Trick, um mit einem Prominenten zu werben" und schaltete einen Anwalt ein.

Mit der Erfindung des Internets hat der Aprilscherz vollends an Harmlosigkeit und regionaler Begrenztheit eingebüßt, wie der Tweet von Elon Musk zeigte. Microsoft zieht daraus nun die Konsequenzen. Die digitale Disruption macht vor gar nichts mehr Halt. Lustig ist das nicht.

© SZ vom 30.03.2019/vit
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