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Apps:Skandal und Verlust

Fahrdienst-Vermittler Uber

Die Firma Uber bietet eine App, über die Kunden Fahrer finden.

(Foto: Seth Wenig/dpa)

Sie wuchsen schnell, nur Geld verdienen Uber und Lyft immer noch nicht. Wie lange geht das noch gut?

8,5 Milliarden Dollar. Das ist der Gesamtverlust des Fahrdienst-Vermittlers Uber im Jahr 2019, der als privates Unternehmen jahrelang eine Wachstums-Story hatte vermarkten können. Nach einigen Skandalen, juristischen Problemen wie dem Gesetz zur "Gig Economy" in Kalifornien oder dem Lizenzverlust in London sowie einem desaströsen Börsengang im vergangenen Jahr wollen die Anleger nun doch mal wissen: Wird dieses Unternehmen irgendwann profitabel werden, und ist es dann für die Zukunft aufgestellt? Eigentlich war das Erreichen der Gewinnzone für Mitte 2021 geplant, nun sagte Chef Dara Khosrowshahi im Gespräch mit Analysten, dass er seine Mitarbeiter aufgefordert habe, alles dafür zu tun, dieses Ziel schon Ende 2020 zu erreichen. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen 1000 Angestellte entlassen.

Das erhöht den Druck auf den Konkurrenten Lyft. Dessen Börsengang war wenige Wochen vor dem von Uber nicht weniger desaströs verlaufen. An diesem Dienstag veröffentlicht Lyft Quartalszahlen (bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt). In den drei Quartalen davor hatte Lyft einen Verlust von insgesamt 2,25 Milliarden Dollar hinnehmen müssen, Entlassungen angekündigt und zugegeben, Ende 2021 nur profitabel werden zu können, wenn man weiter einspare.

Auf der Technikmesse CES in Las Vegas waren mal wieder selbstfahrende Lyft-Autos zu sehen und damit die langfristige Strategie des Unternehmens: Es sollen bald keine Fahrer mehr in den Autos sitzen und damit immense Kosten- und Unsicherheitsfaktoren wegfallen. Das ist, neben ehrgeizigen Konkurrenten wie Ola, Hopskipdrive, Kabu, Via oder Juno, das Hauptproblem der zwei Platzhirsche. Sie haben die Taxi-Industrie komplett verändert, eine Disruption, von der man noch immer nicht weiß, ob sie die Zustände auf den Straßen wirklich verbessert hat: Zahlreiche Firmen experimentieren mit autonomen Fahrzeugen, weshalb das Konzept mit Fahrern - ob sie nun fest angestellt sind oder nicht - bereits jetzt als Relikt aus der Vergangenheit gilt.

Uber und Lyft müssen also den Spagat schaffen, sich auch über teure Investitionen langfristig aufzustellen, jedoch so schnell wie möglich Gewinne zu erzielen.

Nicht immer sind Firmen, die eine Branche aufrütteln, auch jene, die langfristig davon profitieren - oder erinnert sich noch jemand an Tivo, Palm, Lycos, Friendster, Webvan oder Everquest? Nein? Eben. Es gab Firmen, die sich danach strategisch besser aufgestellt hatten.

© SZ vom 12.02.2020
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