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Apples iPhone:Kleines Gerät, großer Gewinn

Apple verkauft sein neues iPhone günstiger als das größere Modell 6s, kann seine Marge aber wohl ziemlich hoch halten.

Von Morten Luchtmann

Das neue iPhone SE ist deutlich günstiger als das größere 6s, trotzdem dürfte Apple seine Gewinnmarge für das Gerät erfolgreich hoch halten. Das zeigt eine Analyse der Einzelteile des Smartphones.

Die amerikanische Beratungsfirma IHS hat herausgefunden, dass die Variante mit 16 GB Speicherplatz des SE in der Herstellung 160 Dollar kostet. In amerikanischen Apple-Stores verkauft das Unternehmen dieses iPhone für knapp 400 Dollar, schlägt also 240 Dollar obendrauf. Um den Gewinn pro iPhone auszurechnen, müssten allerdings noch sämtliche Kosten für Vertrieb, Marketing oder Forschung abgezogen werden. Diese sind nicht bekannt. Die IHS-Analysten widersprechen einer früheren Schätzung eines Analysten von RBC Capital Markets, derzufolge das SE den Konzern in der Herstellung 260 Dollar koste.

Faire Bezahlung kostete Apple jährlich fast acht Milliarden Dollar mehr, sagen Kritiker

Das SE sieht aus wie die ältere Generation 5s, ist aber mit neuer Technik ausgestattet. Es soll Kunden erreichen, die nach einer günstigeren Alternative suchen oder einen kleineren Bildschirm wollen. Wichtige Hardwareteile wie Bildschirm und Touchscreen verwendete Apple schon im Modell 5s. Heute sind sie günstiger als damals. Das Display, das Apple von LG einkauft, kostet heute um die 20 Dollar. Als das iPhone 5s 2013 herauskam, musste Apple für das gleiche Display noch 41 Dollar bezahlen. In der 64-GB-Version des SE sei der Gewinnanteil noch höher, schreiben die Fachleute von IHS. Während die Kosten für Rohstoffe und fürs Zusammensetzen lediglich um zehn Dollar höher lägen, übersteigt der Verkaufspreis den der Version mit 16 Gigabyte um 100 Dollar. Apple spekuliert offenbar darauf, dass Kunden eher Modelle mit größerem Speicher kaufen.

Von den 160 Dollar werden laut IHS vier Dollar für weitere Produktionskosten ausgegeben, ein Hundertstel des Kaufpreises. Diese beinhalten den Beitrag für die Arbeiter, die das Gerät in China oder Taiwan zusammensetzen. Apple betont, alle geltenden Arbeitsstandards einzuhalten, es gibt jedoch immer wieder Beschwerden über die Arbeitszustände in den Produktionshallen von Zulieferern wie Foxconn oder Pegatron. Die New Yorker Nichtregierungsorganisation (NGO) China Labor Watch hat ausgerechnet, dass Pegatron-Arbeiter in Shanghai 2014 knapp 1,85 Dollar pro Stunde verdienten. Der NGO zufolge müsste Apple jährlich 7,6 Milliarden Dollar mehr ausgeben, wenn die Zulieferer ihren Mitarbeitern einen Basislohn zahlen würden, der den Lebenskosten angemessen wäre. Zähle man Überstunden und Boni zum jetzigen Lohn hinzu, verdienten Arbeiter zwar über örtlichem Kostenniveau, jedoch verhindere eine solche Anreizpraxis faire Arbeitsbedingungen.

Apple hat Aktionäre jahrelang mit seinen hohen Gewinnmargen von bis zu 47 Prozent beeindruckt und verfügte 2015 über ein Barvermögen von knapp 193,5 Milliarden Dollar.

© SZ vom 07.04.2016
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