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Tim Cook:Wie der Apple-Chef unter Trump zum einflussreichsten US-Manager aufstieg

Donald Trump und Tim Cook

Männerfreundschaft: Apple-Chef Tim Cook (links) und US-Präsident Donald Trump sprechen regelmäßig miteinander. Cook hat inzwischen großen Einfluss in Washington.

(Foto: Alex Brandon/AP/DPA)
  • Apple-Chef Tim Cook hatte 2016 im Präsidentschaftswahlkampf noch Hillary Clinton unterstützt. Mit Präsident Trump kommt er trotzdem gut klar.
  • Cook ist zu einem überaus erfolgreichen Lobbyisten seines Konzerns geworden.
  • Interessanterweise gelingt der Kuschel-Kurs, ohne dass dem Apple-Chef auf der anderen Seite der blinde Zorn linker Aktivisten entgegenschlägt.

Als Donald Trump den Apple-Chef Tim Cook vor Monaten versehentlich als "Tim Apple" bezeichnete, brach in den sozialen Netzwerken eine Welle der Häme über ihn herein, die ihresgleichen sucht: senil, vertrottelt, zu blöde, hieß es. Nicht dass es den Falschen getroffen hätte, schließlich gehört der US-Präsident ja selbst zu jenen Schmutzfinken, die bei Twitter gern über ihre Mitmenschen herziehen. Dennoch standen Anlass und Aufregung in keinerlei Verhältnis. Nur einer nahm den Versprecher mit Humor: Tim Cook. Er ersetzte in seinem Twitter-Profil seinen Nachnamen durch den angebissenen Apfel, das Logo des Konzerns - Tim Apple halt.

Es sind nicht zuletzt solche kleinen Rücksichtnahmen, die dafür gesorgt haben, dass Cook unter Trump zum einflussreichsten Manager des Landes aufgestiegen ist - obwohl er 2016 Hillary Clinton unterstützt hatte. Wo andere Firmen jährlich riesige Beträge für Lobbyisten ausgeben, die dann mittlere Regierungsbeamte zum Mittagessen einladen, reicht bei Apple oft ein Anruf von Vorstands- zu Regierungschef. Cook selbst ist oberster Lobbyist seines Konzerns: Er prägte nicht nur Trumps Steuerreform maßgeblich mit und ersparte Apple damit Zahlungen in mittlerer zweistelliger Milliardenhöhe. Vielmehr hielt er die Firma bisher auch fast vollständig aus dem Handelsstreit der USA mit China heraus, indem er den Präsidenten wiederholt überzeugte, Produkte wie das iPhone und die Apple Watch von den Importzöllen auf chinesische Warenlieferungen auszunehmen. An diesem Donnerstag beginnt nun die nächste Verhandlungsrunde zwischen Washington und Peking - und je nach Ausgang wird sich Cook womöglich schon bald wieder im Weißen Haus melden.

Der Kuschelkurs gelingt, ohne dass dem Apple-Chef blinder Zorn von Aktivisten entgegenschlägt

Das Interessante ist, dass der Kuschel-Kurs gelingt, ohne dass dem Apple-Chef auf der anderen Seite der blinde Zorn linker Aktivisten entgegenschlägt. Zwar gibt es Kritiker, die Cook für einen rückgratlosen Opportunisten halten. Größere Proteste oder gar Boykottaufrufe, wie sie andere Firmen erlebten, blieben aber bisher aus. Das liegt auch daran, dass Cook zwar regelmäßig mit dem Präsidenten spricht, ihn gelegentlich aber auch offen kritisiert. Er beschränkt diese Kritik jedoch auf einige wenige Themen, die ihm besonders wichtig sind, die Migrations- und die Klimapolitik etwa, und verkneift sich zudem Gehässigkeiten gegen Trump. Auch tritt er, anders als manche Kollegen, nicht unter lautem Protest aus einem der zahllosen Beiräte zurück, die der Präsident so gerne für medienwirksame Auftritte und als Staffage für die Unterzeichnungen von Dekreten nutzt.

Cooks eigentliches Erfolgsgeheimnis jedoch ist ein anderes: Er verschafft dem Präsidenten immer wieder jene tatsächlichen oder vermeintlichen Erfolge, mit denen Trump so gerne prahlt. Beispiel Steuerreform: 2017 machte sich Cook hinter den Kulissen dafür stark, dass im Ausland geparkte Firmengewinne bei Überweisung in die USA statt mit 35 einmalig nur noch mit maximal 15,5 Prozent versteuert werden müssen. Er setzte sich durch und kündigte keine drei Wochen nach Inkrafttreten der Reform an, 250 Milliarden Dollar "nach Hause" zu holen, 350 Milliarden daheim zu investieren, 38 Milliarden ans Finanzamt zu zahlen und 20 000 Jobs zu schaffen. Dass Apple sich zugleich etwa 40 Milliarden Dollar an Steuerzahlungen sparte, sagten weder Cook noch der Präsident - der sich tagelang im Erfolg "seiner" Reform sonnte.

Cook hat ein enges Verhältnis zu Trumps Tochter Ivanka und deren Mann Jared Kushner

Ähnlich war es, als Cook es Trump überließ zu verbreiten, dass Apple den neuen Mac-Pro-Computer doch in Texas statt in China produzieren wird. Ökonomisch gesehen war der Beschluss für Apple wenig bedeutsam, denn der Profirechner wird nur in relativ geringen Stückzahlen gebaut. Propagandistisch aber war es eine große Sache, insbesondere für den Präsidenten.

Doch es gibt noch einen Faktor, der für Cooks Erfolg wesentlich ist: seine Nähe zu Trumps Familie. Vor allem zu Tochter Ivanka und deren Mann Jared Kushner, beide enge Präsidentenberater, pflegt der Apple-Boss ein enges Verhältnis. Die drei gehen ab und zu gemeinsam essen, und ist der Präsident selbst einmal telefonisch nicht erreichbar, spricht Cook nach übereinstimmenden US-Medienberichten mit Kushner, der wiederum seinem Schwiegervater die Botschaft überbringt. Ivanka begleitet der Konzernchef gelegentlich sogar zu Fototerminen, etwa wenn sie eine Grundschule besucht, die Apple mit neuen iPads ausgestattet hat. Auch mit Trumps Frau Melania soll sich Cook blendend verstehen.

Dass Apple-Produkte von Importzöllen bisher weitgehend verschont blieben, verdankt Cook auch einer klugen Gesprächsstrategie. So erklärte er Trump, dass etwa das iPhone zwar in China montiert werde, es aber nur wegen seines Designs und der US-Ingenieurskunst ein solcher Erfolg sei. Werde so ein uramerikanisches Produkt nun bei der Rückkehr aus China mit Zöllen belegt, nutze das nur einem: dem koreanischen Dauerrivalen Samsung. Trump sagte nach dem Gespräch, er habe "großen Respekt für Tim Cook" und dessen Argumente. Dass der Apple-Boss immer wieder so überzeugend ist, wundert den Regierungschef allerdings nach eigenem Bekunden ohnehin nicht - schließlich weiß Cook den aus Präsidentensicht größten anzunehmenden Experten an seiner Seite: "Andere heuern sehr teure Berater an", so der Mann im Weißen Haus jüngst. "Tim Cook telefoniert direkt mit Donald Trump."

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