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Apple nach dem Rücktritt von Steve Jobs:Was iGod versäumt hat

Er ist der Übervater, er ist der Visionär, und er ist schuld an der ungewissen Zukunft des Apple-Konzerns. Denn nach dem Rücktritt von Steve Jobs zeigt sich, dass die große Stärke des iGods zugleich seine große Schwäche war - und zu einem zentralen Fehler führte.

Steve Jobs hat Apple zum wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht. Und er hat nun dafür gesorgt, dass der Technikkonzern binnen kürzester Zeit mehr als 20 Milliarden Dollar an der Börse einbüßte. Mit einem einzigen Satz: Ich trete zurück.

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Steve Jobs tritt als Apple-Chef zurück.

(Foto: REUTERS)

Steve Jobs ist Apple, Apple ist Steve Jobs. Kein einziges Unternehmen ist so stark auf seinen Chef zugeschnitten. Das Charisma von Steve Jobs, der das Unternehmen 1976 in der Garage seiner Eltern gründete, hat die Marke Apple gestärkt - und ist zugleich ihre größte Schwäche.

Der 56-Jährige verkörpert jenes Lebensgefühls, das Apple mit jedem Mac-Rechner, jedem iPod, jedem iPhone, jedem iPad verkauft: Anders zu sein als die Masse. Gerade Großstädter in der westlichen Welt sind bereit, viel Geld für dieses Lebensgefühl zwischen Avantgarde und Understatement zu bezahlen. Kaum ein anderes Unternehmen verbindet so viele verschiedene Märkte: Von digitaler Musik bis zu digitalen Zeitungen, von Alleskönnerhandys bis zu Computern.

Jobs ist ein guter Stratege. Er hat ein Gespür für das, was die Leute wollen. Apple ist kein bisschen behäbig. Auch nach 35 Jahren hat der Konzern noch die Phantasie und den Glamour eines Start-ups - und ganz ähnliche Wachstumsraten: Die Aktie von Apple ist in den vergangenen vier Jahren um das Vierfache gestiegen.

Und parallel dazu hat Steve Jobs penibel dafür gesorgt, dass er das Gesicht dieses Erfolges ist. Er ist der "iGod" (New York Times Magazine). Er steht für Apple. Und er steht für Größenwahn und Eitelkeit. Als Alleinherrscher bestimmte er die Richtung für seine 35.000 Mitarbeiter. Nur er. Sonst niemand.

Aber: Ein Konzern ist keine One-Man-Show. Ein guter Chef ist ein Teamplayer. Er sorgt auch dafür, dass es nach ihm weitergeht - das ist er Mitarbeitern, Aktionären und Investoren schuldig. Doch das hat Steve Jobs versäumt.

Cook, ein Mann für die zweite Reihe

Er hat sich bei jeder Präsentation eines neues Produkts inszeniert wie David, der gegen Goliath antritt - auch wenn er längst zu einem Goliath geworden war. Über Jahre hinweg galt ein einzelner Mann für unersetzbar. Das ist für jedes Unternehmen gefährlich. Gerade in der Technologiebranche ist das Tempo hoch, sind die Rivalen aggressiv.

Auf den neuen Chef, den bisherigen Jobs-Vize und Interims-Chef Tim Cook, wartet eine immens schwere Aufgabe. Immerhin gilt er als einer der wichtigsten Architekten von Apples wirtschaftlichem Erfolg. Als Zuständiger für das Tagesgeschäft hat der 50-Jährige dafür gesorgt, dass aus den kühnen Visionen von Jobs auch schwarze Zahlen wurden. Und er hat Jobs während dessen krankheitsbedingten Pausen bereits drei Mal vertreten - ohne dass dies den Erfolg des Konzerns gedämpft hätte.

Aber dennoch ist er ein Mann für die zweite Reihe, kein Visionär und schon gar kein iGod. Doch so, wie Jobs den Konzern konstruiert hat, würde er genau das brauchen - und entsprechend heftig sind nun an der Börse und bei den Mitarbeitern die Zweifel, ob Apple mittelfristig solchen Erfolg haben kann wie zuletzt.

© sueddeutsche.de/aum

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