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Logo-Streit:Apple vergleicht Apfel mit Birne

Prepear und Apple Logo

Verwechslungsgefahr? Der Apple-Konzern findet: Ja.

(Foto: Prepear, Apple/oh)

Der iPhone-Hersteller wehrt sich juristisch gegen den Betreiber einer Koch-App. Der tritt zwar nur mit einem artverwandten Kernobst auf - für Apple besteht trotzdem Verwechslungsgefahr.

Von Jan Schmidbauer

Dass Äpfel und Birnen nicht miteinander verglichen werden können, lernen auch Kinder, deren Elternhaus nicht über einen Obstgarten verfügt. Allerdings kommt diese Erkenntnis vielen Menschen im Laufe ihres Lebens abhanden. Warum sonst vergleichen manche den Druck auf die Thermomix-Taste mit Kochen, den Mund-Nasen-Schutz mit einem "Maulkorb" oder das Saale-Unstrut-Gebiet mit dem Chianti ("Toskana des Nordens")? Man weiß es nicht.

Einziger Trost: Nicht nur sogenannten Otto Normalverbrauchern, sondern auch internationalen Konzernen passiert es hin und wieder, dass sie die beiden Obstsorten vermischen. Man muss dem iPhone-Hersteller Apple natürlich zugutehalten, dass er aus eigener Betroffenheit handelt, wenn er - wie jetzt herauskam - Äpfel mit Birnen vergleicht. Und doch fragt man sich, ob da jemand in Kalifornien oder wo auch immer bloß einen schlechten Tag hatte oder - Verzeihung für den Ausflug ins Reich der Nachtschattengewächse - Tomaten auf den Augen.

Die weltbekannte Firma, die ihren Produkten den Apfel lediglich in angeknabberter Form verpasst und auch sonst gerne die Philosophie "Weniger ist mehr" pflegt (Knöpfe, Speicherplatz, Steuern), geht offenbar juristisch gegen die kleine Betreiberfirma einer Koch-App vor und will sie dazu bringen, ihr neu angemeldetes Logo aufzugeben. Das berichten amerikanische Tech-Medien, Apple äußerte sich am Montag nicht dazu. Die Beschwerde, die Apple schon im März beim US-Patentamt eingereicht haben soll, wurde inzwischen von der Seite Macrumors veröffentlicht. 352 Seiten füllt der schriftlich verfasste Fruchtzorn der Apple Inc. gegen die Super Healthy Kids Inc..

Deren App Prepear, um die es in dem Streit geht, ist vom kalifornischen Konzern und seinem Geschäftsmodell etwa so weit entfernt wie ein Stabmixer vom iPhone. Man kann mit der App Rezepte verwalten, Einkaufslisten und Speisepläne erstellen. Dagegen hat Apple wohl auch nichts, die Anwendung steht bis heute im Apple-Store zum Download bereit.

Was den Tech-Konzern allerdings zu stören scheint, ist das Logo von Prepear. Pear, das ist bekanntlich das englische Wort für Birne. Es lag also nahe, dass die Betreiber bei der Logoauswahl auf dieses Kernobst setzten und sich nicht für - Gott bewahre - einen Apfel entschieden.

Auch andere Konzerne halten ihre Juristen mit so was auf Trab - mal erfolgreich, mal nicht

Wo wir schon bei Gott sind: Dass man vom Baum der Erkenntnis und seinen Früchten, die zumindest laut allgemeiner Auffassung Äpfel waren, besser nicht nascht, weiß der Bibelleser ja seit Adam und Eva. Doch warum nun auch die Birne unter die verbotenen Früchte geraten sein soll? Auf Seite 22 der Beschwerdeschrift erfährt man mehr. "Kunden, denen das Logo des Anmelders (Super Healthy Kids, d. Red.) begegnet, werden es wahrscheinlich mit Apple in Verbindung bringen", argumentiert der Konzern. Warum? Zum einen, weil die Prepear-Birne ebenso wie der Apple-Apfel minimalistisch gestaltet sei. Zum anderen, weil das Birnenblatt auf die gleiche Seite zeige, wie das Blatt des Apple-Apfels (für Detailverliebte: Es zeigt vom Betrachter aus gesehen nach rechts).

Dass Apple sich gegen Logos und Namen anderer Firmen juristisch wehrt, kommt immer wieder vor. Auch andere Konzerne halten ihre Juristen mit so was auf Trab - mal erfolgreich, mal nicht. Super Healthy Kids will sich jedenfalls wehren. "Ich weiß, es passieren viele schlimme Sachen in der Welt und verglichen damit ist das keine große Sache", schreibt Chefin Natalie Monson, frei übersetzt, auf Instagram. "Aber ich brauche eure Hilfe in einer Situation, die mich, meine Familie und meine Mitarbeiter trifft." Die kleine Firma hat mittlerweile eine Petition gestartet. Der Ausgang des Streits ist offen. Und irgendwie ist man damit schon wieder bei der Bibel - und bei David gegen Goliath.

© SZ vom 11.08.2020

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