Apple:Das iPhone als Mode-Accessoire

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Apple: Apples goldener Käfig verhindert, dass die Kunden abwandern, wenn sie sich über Neuerungen ärgern.

Apples goldener Käfig verhindert, dass die Kunden abwandern, wenn sie sich über Neuerungen ärgern.

(Foto: Zuma Press/imago stock&people)

Apples Handys und Uhren werden mehr als Mode-Gadget vermarktet denn als technische Geräte. Diese Strategie ist nicht immer konsumentenfreundlich.

Kommentar von Helmut Martin-Jung

Wirtschaftstheoretiker haben lange angenommen, der Mensch verhalte sich rational, wenn es um Anschaffungen geht. Tut er aber oft nicht. Schlaue Firmen wissen das und werben nicht allein mit ultrafein aufgelösten Bildschirmen oder super-duper Megapixel-Kameras. Letztendlich interessiert das ganze Technikgedöns doch bloß Nerds. Der Rest der Konsumentenheit will viel lieber wissen, was man damit denn so anstellen kann. Hübsch sollen die Sachen auch sein und leicht zu bedienen.

Womit man, wie leicht zu erraten, bei Apple und dem iPhone wäre. Die Kalifornier haben die Ingredienzen dieses Rezepts überaus erfolgreich gemischt, und sie haben noch eine besondere Zutat: Viele Apple-Fans betrachten ihr iPhone weniger als technisches Gerät denn als Mode-Accessoire. Für das man bereit ist, mehr auszugeben als für Konkurrenzprodukte, und bei dem man nicht zu denjenigen gehören möchte, die Mode der vorvergangenen Saison tragen.

Daher sind die Präsentationen des Apple-Konzerns wie die am Mittwochabend deutscher Zeit schon immer auch vergleichsweise unterhaltsam gewesen, vergleichbar eher einer Modenschau, keine PS-Protzerei wie oft bei der Konkurrenz. Seit der Pandemie sind sie noch ein Stück durchgestylter, weil sie nicht mehr Live-Auftritte und Videoeinspielungen kombinieren, sondern komplett als Film ablaufen. Klar, auch Apple prahlt mit seinen (auch ziemlich beachtlichen) Erfolgen etwa beim Chipdesign. Die iPhone-Chips führen das Feld aber auch an. Doch die meiste Zeit geht es jedoch nicht um technische Details, sondern sorgfältig ausgewählte Menschen zeigen in Videos in Kinoqualität, was man mit den neuen iPhones oder Uhren alles Tolles machen kann.

Das Highlight dieses Mal: Apple hat in die neuen iPhones die Fähigkeit eingebaut, mit Satelliten zu kommunizieren, um im Notfall SMS etwa mit dem Standort absetzen zu können. Damit die Sache funktioniert, muss das Handy allerdings ständig auf den Satelliten ausgerichtet werden. Wie das unter dem Stress einer Gefahrensituation funktioniert, muss sich noch zeigen.

Das eine lobt man, über anderes wird geschwiegen

Über andere Dinge dagegen schweigt man lieber. Dass es keine Neuauflage des iPhone Mini mehr geben wird, wurde nicht erwähnt - man hätte damit ja zugegeben, dass das iPhone mit kleinerem Bildschirm kein Erfolg war. Kein Wort auch dazu, dass der inzwischen veraltete Lightning-Anschluss auch in den jüngsten iPhones steckt. Ja, man kann argumentieren, dass viele bereits Ladekabel und Zubehör für diesen Anschluss haben. Schaffe man ihn ab, entstehe viel Elektroschrott. Doch zum einen gibt es Adapter, die in vielen Fällen helfen. Und auf Dauer gesehen ist USB-C der Standard, der es für alle leichter macht und Schrott vermeidet. Apple setzt USB-C bei den meisten seiner iPads sowie bei Laptops ohnehin längst ein.

Bei anderen Neuerungen war Apple in der Vergangenheit auch weniger zimperlich. So etwa, als es darum ging, den Weg für die Airpods - Apples kabellose Ohrhörer - zu bereiten. Die analoge Kopfhörerbuchse wurde trotz Protesten der Nutzer gestrichen, immerhin lag anfangs zur Besänftigung noch ein Adapter von Lightning auf Klinkenbuchse bei. Letztlich geht es dabei immer ums Geschäft. Im Falle der Ladebuchse ist es Folgendes: Damit Hersteller mit dem Spruch "Made for iPhone" werben dürfen, müssen sie Geld an Apple bezahlen. Man wird also damit rechnen können, dass Apple den Lightning-Anschluss noch bis zur nächsten oder gar übernächsten iPhone-Generation verwenden wird. Dann greift ein Verdikt der EU, die den USB-C-Standard durchsetzen will. Apples Lightning-Politik ist verständlich, konsumentenfreundlich aber nicht unbedingt.

Solche Details mögen manche ärgern, die meisten nehmen es hin, auch weil sie längst gefangen sind in Apples kunstvoll geschmiedetem goldenen Käfig. Wer möchte schon das ganze Geflecht aus iPhone und den Daten in Apples Cloud umziehen? Und Apples Uhr lässt sich ohne ein iPhone nicht einmal in Betrieb nehmen. Viele werden wohl auch gar nicht von einem Käfig sprechen wollen, sondern sind dem Unternehmen dankbar, dass es ihnen das Leben zumindest in diesem Punkt etwas einfacher macht. Saison für Saison.

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