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Anleihekäufe der EZB:Wenn alles glattgeht...

Auf die Lehrbücher kann man sich in diesen Zeiten nicht mehr verlassen, denn wenn es nach dem ginge, was die ökonomische Theorie sagt, müsste Europas Wirtschaft schon längst boomen. Schließlich hat die Europäische Zentralbank (EZB) Geld im vergangenen Jahr so billig gemacht wie nie zuvor in der Geschichte. Der Leitzins liegt bei 0,05 Prozent. Dennoch kommt in der Euro-Zone die Kreditvergabe und damit der Aufschwung nicht so richtig in Gang.

Die EZB versucht es deshalb mit der Brechstange und möchte bis September 2016 mindestens 1,1 Billionen Euro in das Finanzsystem der Euro-Zone pumpen, und zwar durch den Ankauf von Staatsanleihen. Geld ist der Schmierstoff einer Volkswirtschaft. Man kann fest davon ausgehen, dass diese Zufuhr nicht wirkungslos verpufft. Doch die EZB möchte eine bestimmte Wirkung erzeugen: Das Geld soll rein in die Realwirtschaft, um Wachstum und Inflation zu erzeugen.

Der Plan sieht so aus: Die EZB kauft beispielsweise einer Bank Staatsanleihen ab. Den Verkaufspreis schreibt die Zentralbank dem Institut gut. Die Bank besitzt dann mehr Geld. Wenn sie den Betrag auf ihrem Konto bei der EZB belässt, muss sie darauf einen Strafzins von 0,2 Prozent bezahlen. Um sich diese Belastung zu ersparen, so die Erwartung der EZB, würde die Bank das Geld lieber als Kredit vergeben, um zumindest etwas zu verdienen.

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Es klingt nach guten Nachrichten: Die Preise in der Euro-Zone sinken weiter, zugleich fällt die Arbeitslosenquote. Der Blick ins Detail zeigt aber, wie ungleich die Verhältnisse in Europa sind.

Teure Kredite in Italien und Spanien

In Italien und Spanien kommen Unternehmen und Privathaushalte sehr schwer an Kredite, und wenn doch, dann sind die Darlehenszinsen viel höher als es der niedrige Leitzins nahelegen würde. Das billige Geld der EZB entfaltet bislang nicht überall in der Euro-Zone die gewünschte Wirkung. Durch den Ankauf von Staatsanleihen soll diese Blockade aufgelöst werden.

Denn durch die Nachfrage nach Staatsanleihen steigen die Kurse dieser Wertpapiere - spiegelbildlich fallen dann auch die Renditen. An diesen Renditen für Staatsschulden orientieren sich Banken in aller Regel, wenn sie die Kreditzinsen für Firmen und Privathaushalte festlegen. Niedrige Renditen führen zu niedrigen Darlehenszinsen, so die Hoffnung. Und selbst wenn Banken das viele Geld nicht verleihen würden, so könnten sie es doch anderweitig investieren, beispielsweise in Aktien. Anleger würden von den steigenden Kursen profitieren und hätten mehr Geld verfügbar für Konsum und Investition - ein Wohlstandseffekt, zumindest für diejenigen, die Wertpapiere besitzen.

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Der Euro wird billiger

Darüber hinaus konnte die EZB schon durch die Ankündigung des Billionen-Programms den Außenwert des Euro weiter drücken. Der Euro fiel am Montag bis auf 1,08 Dollar und notierte damit so niedrig wie seit Anfang September 2003 nicht mehr. Seit Dezember 2014 hat der Euro gegen den US-Dollar zwölf Prozent verloren, seit Mai 2014 beträgt der Verlust rund 23 Prozent. Die Exportindustrie der Euro-Zone wird gestärkt, gleichzeitig importiert der Währungsraum die gewünschte Inflation, weil die Einfuhren teurer werden.

EZB-Präsident Mario Draghi hat deutlich gemacht, dass die Zentralbank das Ankaufprogramm "wenn nötig" über September 2016 hinaus verlängern werde, bis sie eine "anhaltende Anpassung der Inflation" an die angestrebte Rate von knapp unter zwei Prozent beobachte. In den letzten Monaten waren die Preise gefallen, mancher befürchtet eine gefährliche Deflation. Doch der niedrige Ölpreis schiebt nun laut EZB die Konjunktur an. "Die Erholung gewinnt an Breite und Stärke", sagte Draghi kürzlich. Allerdings müssten die Regierungen nun auch wichtige Wirtschaftsreformen durchführen.

Von Markus Zydra