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Anlagecheck:Gute und schlechte Robos

Viele Robo Advisor benutzen unterschiedliche Strategien. Anleger können jedoch nicht so leicht durchschauen, welche digitalen Anbieter erfolgreich sind. Verbraucher sollten sich daher gut informieren.

Das Interesse an digitalen Anlagehelfern, den sogenannten Robo Advisors, nimmt zu. Fünf Jahre sind vergangen, seitdem die Kunden erstmals automatisiert über einen deutschen Anbieter in die Finanzmärkte investierten. Eine Revolution haben die Angebote bislang zwar nicht ausgelöst, aber für immer mehr Kunden sind die digitalen Vermögensverwalter eine Alternative. Je größer der Markt wird, desto lauter werden auch die Diskussionen darum, was einen guten Robo Advisor ausmacht.

Zwar sind sich alle Finanzexperten einig, dass es am Ende immer ums Geld geht, also größere Renditen bei gleichem Risiko das augenscheinlichste Qualitätsmerkmal sind. Doch es spielen auch andere Komponenten eine Rolle. Transparenz zählt dazu, dass Kunden den Prozess vom Moment der Bereitstellung seiner Daten bis zur Umschichtung des Portfolios oder bis zur Auflösung des Depots nachvollziehen zu können. Dazu gehört außerdem die Genauigkeit der Algorithmen, um die Risikobereitschaft eines Kunden aufgrund von dessen Angaben optimal einzuschätzen. In Nuancen unterschiedliche Angaben sollten im Optimalfall auch leicht unterschiedliche Portfolios ausspucken.

Weil Tester und Analysten die Kriterien nicht gleich gewichten, können die Resultate entsprechend variieren. Ein Beispiel ist die Differenz zwischen den Ergebnissen der Stiftung Warentest aus dem vergangenen Jahr und einer Studie des Beratungsunternehmens Fondsconsult, die zu Beginn des Jahres vorgestellt wurde.

Scalable Capital, das Start-up, das als erster deutscher Anbieter im vergangenen Jahr die Grenze von einer Milliarde verwalteter Euro knackte, wird bei Fondsconsult mit der Note "gut" bewertet. Die Stiftung Warentest war weniger zufrieden und verteilte die Note 3,4 an den Marktführer. In beiden Bewertungen klangen die Begründungen plausibel. Umgekehrt sah Stiftung Warentest unter anderem den Anbieter Whitebox im Vergleich zu fast allen Mitbewerbern vorne. Bei Fondsconsult tauchen die Badener hingegen nicht in der Spitzengruppe auf.

Große Anbieter haben Vorteile gegenüber kleinen

Für den Kunden bedeutet das nicht anderes als die Qual der Wahl. Und für die Anbieter eine Chance, sich mit geschicktem Marketing gut in Szene setzen zu können. Vor allem die klassischen Banken spielen ihre Trümpfe im Wettbewerb mit jungenStart-ups gut aus. Sie haben nicht nur entsprechend große Budgets, sondern besitzen auch die etablierten Kunden-Netzwerke, um neue Interessenten zu gewinnen.

Cominvest beispielsweise von der Comdirect Bank, einer Tochtergesellschaft der Commerzbank, gehört zu den deutschen Anbietern mit den höchsten verwalteten Vermögen. Nach nur zehn Monaten auf dem Markt war es Cominvest bereits gelungen 300 Millionen Euro zu verwalten. Das erfolgreiche Auftreten steht jedoch in keinem Verhältnis zu den Testergebnissen sowohl von Stiftung Warentest als auch von Fondsconsult. In beiden Fällen landete das Angebot am Ende der Liste. Stiftung Warentest vergab sogar eine desaströse 5,5. Hohe Kosten und die Verteilung der Anlage führten bereits im vergangenen Jahr zum schlechten Abschneiden. Die aktuellere Studie von Fondsconsult bestätigte den schlechten Eindruck. Die schlechten Testergebnisse tun dem Erfolg von Cominvest aber offenbar keinen Abbruch. Auf der anderen Seite des Spektrums bedeutet eine gute Bewertung aber keineswegs, dass das Geschäftsmodell langfristig am Markt bleibt. Der Werthstein-Advisor wurde von Fondsconsult im Februar als nur einer von zwei Anbietern noch mit der Note "sehr gut" ausgezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt aber hatte das Schweizer Fintech seinen Dienst in Deutschland nach nur einem Jahr bereits wieder eingestellt. Die Schließung in Deutschland wurde nach Angaben des Anbieters nötig, weil sich die Geschäftszahlen zu schwach entwickelt hatten.

Allerdings fehlen noch gesetzliche Regeln für die Anbieter, die potenziellen Kunden Verlässlichkeit garantieren, wenn es um die Einschätzung von Qualitätsstandards geht und wie sie der Bundesverband der Verbraucherzentrale seit einer Weile fordert.

Die Experten von Finanztip sehen in den Robo Advisors ohnehin nur die zweitbeste Möglichkeit, sein Geld unkompliziert und günstig anzulegen. Stattdessen empfehlen die Analysten jedem, der sich dazu in der Lage sieht, seine Geldanlage eigenständig zu organisieren. "Die Finanztip-Grundempfehlung lautet, einen Teil des Geldes langfristig in günstige, breit aufgestellte Aktien-Indexfonds (ETF) zu investieren und - je nach Risikoneigung - einen anderen Teil in Festgeld oder Tagesgeld, um die Schwankungen am Aktienmarkt etwas aufzufangen. Diese selbstgemachte Geldanlage ist unschlagbar günstig."

Das einzige, was der Anleger benötige, sei ein günstiges Wertpapierdepot, ein gutes Tagesgeld- oder Festgeldkonto und - darauf wird explizit hingewiesen - "das nötige Durchhaltevermögen an der Börse." Wer sich dann traut, hat laut Finanztip gute Chancen, mehr auf seinem Geld zu machen, zumindest aber nicht davon einzubüßen. "Unsere Berechnungen zeigen: Wer in der Vergangenheit beliebige 15 Jahre ein Portfolio gehalten hat, das anfangs zu 80 Prozent aus dem Weltaktienindex und zu 20 Prozent aus Tagesgeld bestand, hat niemals Geld verloren."