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Angst vor Zahlungsunfähigkeit:Verluste schreiben ist für chinesische Banken so gut wie unmöglich

Die Folge: Der Mittelstand bekommt keine Kredite. Den meisten Staatsbankern ist das egal, für sie ist das Modell ideal, eine Lizenz zum Geldverdienen. Denn mit einer chinesischen Bank Verluste zu schreiben ist so gut wie unmöglich. Wer in der Volksrepublik Geld anlegen möchte, dem dürfen Banken derzeit höchstens 3,3 Prozent pro Jahr anbieten. Das ist weniger als das offizielle Inflationsziel der Regierung, das bei 3,5 Prozent liegt. Kredite, die die Banken hingegen gewähren, hatten bis Ende Juli ebenfalls eine Grenze, allerdings nach unten. Bei einem Referenzzinssatz von sechs Prozent durfte keine Bank in China für weniger als 4,2 Prozent verleihen, in der Praxis unterschreitet kaum ein Institut den Referenzsatz. Bis zu drei Prozentpunkte verdient also jede Bank, bei jedem Geschäft.

Seit einigen Jahren stecken viele Chinesen ihr Geld lieber in kurzlaufende Anleihen. Es sind Anleihen von Unternehmen oder Immobilienprojekten, Konstrukte, die in Deutschland dem Grauen Kapitalmarkt zugeordnet werden. Die Geschäfte sind oft risikoreich, häufig werden Kleinsparer, ohne es zu wissen, zu Teilhabern an gewagten Projekten. Geht die Firma pleite, ist das Geld weg.

Wie groß die im Schatten verwalteten Kreditsummen in China sind, weiß niemand so richtig. Amerikanische Ratingagenturen schätzen sie auf 20 Billionen Yuan, umgerechnet knapp 2,5 Billionen Euro - immerhin die gesamte Wirtschaftsleistung Großbritanniens. Es könnte aber auch deutlich mehr sein. Versucht nun die Regierung das Geld zu verknappen, um die Schattenbanken auszutrocknen, reagiert der Interbankenmarkt sensibel. Ein Teufelskreis.