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Angst vor Zahlungsunfähigkeit:Unruhe auf Chinas Bankenmarkt

General Economy Images As Citic Sees PBOC Staying Out of Market to Curb Debt

Chinesische Kommunen sind hoch verschuldet - hier die Boomstadt Shenzhen, eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt.

(Foto: Brent Lewin/Bloomberg)

Die Angst vor einer Kreditklemme in China ist wieder da, die Zinsen für kurzfristige Kredite erreichen Höchstwerte. Genährt werden die Befürchtungen von einer Studie über kommunale Schulden. Doch die Gründe für die Unsicherheit am chinesischen Bankenmarkt liegen tiefer.

Ein halbes Jahr hatte die Regierung in Peking Ruhe, nun herrscht wieder Unsicherheit am chinesischen Bankenmarkt. Am Freitag noch hatte die Notenbank den Banken 49 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Am Montag aber wuchs das Misstrauen. Die Zinsen für kurzfristige Kredite stiegen auf 8,8 Prozent, nachdem sie am Freitag mit 8,21 Prozent den höchsten Wert seit einem halben Jahr erreicht hatten. Normal sind drei, vielleicht vier Prozent.

Die Angst vor einer Kreditklemme ist zurück, wie bereits im Sommer. Damals war der Interbankenmarkt in China dicht. Bis zu 30 Prozent Zinsen verlangten die Institute voneinander, um sich kurzfristig Geld zu leihen. Nicht einmal während der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers war die Lage so ernst.

Staatliche Medien dürfen nicht über eine mögliche Kreditklemme berichten

Diesmal wurde die Angst vor einer Klemme wohl auch durch eine Studie der Chinese Academy of Social Sciences befeuert. Die wichtigste staatliche Denkfabrik gab den Schuldenstand der chinesischen Kommunen für Ende 2012 mit 19,9 Billionen Yuan an, das entspricht etwa 2,4 Billionen Euro. "Wir müssen den Schuldenstand mit großer Aufmerksamkeit beobachten", heißt es in der Studie. Viele Kommunen in China haben sich Geld geliehen, um teure Infrastrukturprojekte anzustoßen, manche Präfekturen haben sich dabei übernommen. Um den Geldmarktzins wieder zu senken, hat nun die chinesische Propagandabehörde die staatlichen Medien angewiesen, nicht über eine mögliche Kreditklemme zu berichten.

Die Gründe für die Unsicherheit am chinesischen Bankenmarkt liegen tiefer. Zum einen ist die Gesamtverschuldung Chinas, also die auf Pump finanzierten Ausgaben der privaten Haushalte, der Unternehmen und des Staats, stark gestiegen, von 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2008 auf mehr als 200 Prozent. Zum anderen sind Chinas Schulden so intransparent wie in kaum einem anderen Land.

Nach der Finanzkrise rühmten sich Chinas Genossen noch, dass ihre Banken unbeschadet davongekommen seien. Wahr ist aber auch: Chinas Geldhäuser sind eigentlich keine richtigen Banken, allenfalls staatlich betriebene Pfandhäuser. Damit kein Institut pleite geht, dürfen nur 75 Prozent der Einlagen wieder als Kredite vergeben werden. Um keinen Ärger zu haben und um die Verwaltungskosten so gering wie möglich zu halten, vergeben viele Banken ihre Kredite am liebsten an Staatskonzerne, die viel Geld auf einmal abnehmen, und sollte doch mal ein Kredit in Bedrängnis kommen, haftet notfalls der Staat.

Verluste schreiben ist für chinesische Banken so gut wie unmöglich

Die Folge: Der Mittelstand bekommt keine Kredite. Den meisten Staatsbankern ist das egal, für sie ist das Modell ideal, eine Lizenz zum Geldverdienen. Denn mit einer chinesischen Bank Verluste zu schreiben ist so gut wie unmöglich. Wer in der Volksrepublik Geld anlegen möchte, dem dürfen Banken derzeit höchstens 3,3 Prozent pro Jahr anbieten. Das ist weniger als das offizielle Inflationsziel der Regierung, das bei 3,5 Prozent liegt. Kredite, die die Banken hingegen gewähren, hatten bis Ende Juli ebenfalls eine Grenze, allerdings nach unten. Bei einem Referenzzinssatz von sechs Prozent durfte keine Bank in China für weniger als 4,2 Prozent verleihen, in der Praxis unterschreitet kaum ein Institut den Referenzsatz. Bis zu drei Prozentpunkte verdient also jede Bank, bei jedem Geschäft.

Seit einigen Jahren stecken viele Chinesen ihr Geld lieber in kurzlaufende Anleihen. Es sind Anleihen von Unternehmen oder Immobilienprojekten, Konstrukte, die in Deutschland dem Grauen Kapitalmarkt zugeordnet werden. Die Geschäfte sind oft risikoreich, häufig werden Kleinsparer, ohne es zu wissen, zu Teilhabern an gewagten Projekten. Geht die Firma pleite, ist das Geld weg.

Wie groß die im Schatten verwalteten Kreditsummen in China sind, weiß niemand so richtig. Amerikanische Ratingagenturen schätzen sie auf 20 Billionen Yuan, umgerechnet knapp 2,5 Billionen Euro - immerhin die gesamte Wirtschaftsleistung Großbritanniens. Es könnte aber auch deutlich mehr sein. Versucht nun die Regierung das Geld zu verknappen, um die Schattenbanken auszutrocknen, reagiert der Interbankenmarkt sensibel. Ein Teufelskreis.