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Angst vor Währungskrieg:Gold als "internationaler Referenzpunkt"

Und dann der entscheidende Punkt: Gold solle dabei ein "internationaler Referenzpunkt für Markterwartungen hinsichtlich Inflation, Deflation und künftige Wechselkurse" werden. Das Ganze könne zu einem neuen "Bretton Woods" führen. Damit ist die historische Dimension klar. In Bretton Woods, einem Luftkurort im US-Bundesstaat New Hampshire, hatten die Alliierten im Juli 1944 die Währungsordnung der Nachkriegszeit entworfen. Alle Währungen wurden zu einem festen Kurs an den Dollar gebunden; dieser konnte geändert werden, aber nur einvernehmlich.

Die USA verpflichteten sich, einen Wechselkurs von 35 Dollar pro Feinunze Gold zu akzeptieren (heute kostet die Unze Gold knapp 1400 Dollar). Bretton Woods sicherte zwanzig Jahre Wachstum und Stabilität, scheiterte aber an seinen Widersprüchen: Um eine wachsende Weltwirtschaft mit Geld zu versorgen, mussten die USA immer mehr Dollar drucken; um den Goldpreis zu halten, hätten sie das Gegenteil machen müssen: die Geldmenge begrenzen. Beides zusammen war nicht zu haben, daher kündigte US-Präsident Richard Nixon 1971 die Goldbindung.

Seitdem werden Wechselkurse frei ausgehandelt, ein System, das Zoellick "Bretton Woods II" nennt. Das System funktioniert, zumindest an der Oberfläche. Enttäuscht wurde jedoch schon bald die Hoffnung auf mehr Stabilität. Die globalen Ungleichgewichte verschärften sich im Gegenteil. Während der achtziger Jahre griffen die Industrieländer zweimal gemeinsam und massiv in die Devisenmärkte ein - 1985, um das Überschießen des Dollars zu stoppen, zwei Jahre später, um seinen Sturz aufzuhalten.

An beiden Aktionen war Zoellick als Mitarbeiter des US-Finanzministeriums beteiligt. Stabiler wurde das System nicht. Ein weiteres Problem: In allen Industriestaaten stieg die Verschuldung massiv, und zwar sowohl die der Regierungen als auch die der Banken und, in den USA, der privaten Haushalte - ein Faktor, der die besondere Wucht der Finanzkrise von 2008 und 2009 erklärt.

Daher wird seit zwei Jahren verstärkt über eine neue Ordnung, ein "Bretton Woods III" nachgedacht. Im Frühjahr 2009 forderte der Präsident der chinesischen Zentralbank, Zhou Xiaochuan, den Dollar als Leitwährung abzulösen und durch internationalisiertes Geld zu ersetzen. Zhou schlug damals vor, zu diesem Zweck die Sonderziehungsrechte (SZR) aufzuwerten, eine Kunstwährung, die der Internationale Währungsfonds geschaffen hat. Das Modell dürfte an praktischen Gründen scheitern. Was aber, wenn Gold die Rolle des internationalen Geldes übernimmt?

Einen reinen Goldstandard, also ein System goldgedeckter Währungen, wie er vor dem Ersten Weltkrieg bestanden hat, wird es sicher nicht geben. Gold hat einen großen Nachteil, und der ist durch die Geologie, nicht durch die Ökonomie bedingt: Seine Menge lässt sich nicht an den Bedarf einer wachsenden Weltwirtschaft anpassen. Aber vielleicht gibt es ein anderes, besseres Modell? Zoellick schweigt sich zu Details aus. Aber gerade das dürfte die Phantasie der Finanzmärkte in den nächsten Tagen anregen.

© SZ vom 09.11.2010/kst/hgn

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