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Angst vor Währungskrieg:Zum Golde drängt doch alles

Droht das Währungssystem aus den Fugen zu geraten? Weltbank-Chef Robert Zoellick befürchtet das - und wartet mit einem überraschenden Vorschlag auf: Währungen könnten wieder mit Gold abgesichert werden.

Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrieländer werden diese Woche bei ihrem Gipfel in Südkorea vor allem ein Thema haben: die Angst vor einem Währungskrieg. Die US-Notenbank pumpt gerade viele neue Milliarden in den Markt. Dadurch verliert der Dollar schnell an Wert, die US-Wirtschaft erhält bessere Exportchancen.

Weltbank-Chef Robert Zoellick regt an, in Zukunft Währungen wieder durch Gold abzusichern.

Weltbank-Chef Robert Zoellick regt an, in Zukunft Währungen wieder durch Gold abzusichern.

(Foto: dapd)

Werden andere Staaten nun auch ihre Währung verbilligen? Drohen Inflation und neue Turbulenzen in der Weltwirtschaft? Weltbank-Chef Robert Zoellick hält die Lage für bedrohlich. Er regt an, zum System fester Wechselkurse zurückzukehren und die Währungen durch Gold abzusichern.

Ein Wort elektrisiert die internationale Finanzwelt: Gold. Der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick, forderte in einem Zeitungsbeitrag die 20 großen Industrie- und Schwellenländer (G20) zu einer Grundsatzreform des internationalen Währungssystems auf. Dazu sollten sie auch Gold benutzen. Die Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten kommen an diesem Donnerstag in Seoul zu ihrem Gipfeltreffen zusammen.

Die Frage, ob Geld nicht wieder, wie in alten Zeiten, durch Gold gedeckt werden sollte, war bisher ein eher esoterisches Thema für Fachökonomen. Dass sich jetzt ausgerechnet der Chef der Weltbank der Frage widmet, zeigt, wie sehr die Währungsordnung durch die Finanzkrise beschädigt wurde. Neue Ideen sind dringend gesucht.

China und die USA liegen im Streit, weil Peking den Yuan zu einem extrem niedrigen Kurs an den Dollar bindet und sich so Wettbewerbsvorteile sichert. Der brasilianische Finanzminister Guido Mantega warnte vor einem "internationalen Währungskrieg", die Notenbanken Japans und der Schweiz greifen in die Devisenmärkte ein wie seit Jahren nicht mehr, um die Verteuerung ihrer Währungen zu stoppen.

Und auch das ist ein Symptom: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble greift die USA massiv und direkt an. Mit ihrer Politik der Geldschöpfung untergrabe die Notenbank Federal Reserve die "Glaubwürdigkeit" Amerikas, sagte Schäuble im Spiegel; das Ergebnis der US-Wirtschaftspolitik sei "trostlos". Schäubles Äußerungen dürften eine Art Präventivschlag sein: Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner wird in Seoul einen Plan vorlegen, nach dem Länder mit hohen Handelsüberschüssen, wie China und Deutschland, zu einer anderen Politik verpflichtet werden sollen.

Hier setzt nun Zoellick an. Der Weltbank-Präsident schlägt in der Financial Times den G-20-Staaten einen "Paket- Ansatz" vor, um eine Blockade der internationalen Wirtschafts- und Währungspolitik zu verhindern. Sie sollten sich nicht nur um Handelsüberschüsse und -defizite kümmern, sondern auch um Strukturreformen, um die Liberalisierung des Welthandels und um die Probleme von Entwicklungsländern. "Dieses Wachstumsprogramm sollten die G20 kombinieren mit einem Plan für ein kooperatives Währungssystem", das den Dollar, den Euro, den Yen, das Pfund und die chinesische Währung umfasse.

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