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Angst vor den Folgen der Schuldenkrise:Stimmung in der deutschen Wirtschaft sinkt

Die Sorgen sind jetzt auch in Zahlen ablesbar: Zum dritten Mal in Folge ist der Ifo-Index gesunken. Er gibt an, wie Unternehmen ihre Geschäftsaussichten einschätzen. Und die werden immer pessimistischer. Denn es zeichnet sich ab, dass die Schuldenkrise auch Deutschland teuer zu stehen kommen wird, etwa wenn Griechenland pleite geht.

Die Stimmung in der Wirtschaft wird schlechter: Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur, ist zum dritten Mal in Folge gesunken. Wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte, hat er im Juli von 105,3 Punkten auf 103,3 Punkte nachgegeben. Im Juni war der Index bereits um 1,6 Punkte auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen.

Die Zuversicht der Unternehmen schwindet angesichts der immer weiter eskalierenden Schuldenkrise und der Abkühlung der Weltwirtschaft. "Die Eurokrise belastet zunehmend die Konjunktur in Deutschland", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Nach Einschätzung der Deka Bank gingen zudem viele globale Frühindikatoren nach unten und zeigten, dass das Sicherheitsnetz der deutschen Firmen "löchriger geworden ist". Für die Erhebung befragt das Ifo-Institut monatlich etwa 7.000 Firmen, wie sie ihre gegenwärtige und die künftige Geschäftsentwicklung einschätzen.

Besonders in der Industrie hat sich das Geschäftsklima demnach stark eingetrübt. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen erheblich ungünstiger eingeschätzt. "Die Kapazitäten werden von den Unternehmen klar weniger ausgelastet", sagte Sinn. Auch im Großhandel und auf dem Bau trübte sich die Stimmung ein. Einziger Lichtblick im Juli war der Einzelhandel. Hier stieg das Geschäftsklima weiter - die Kaufleute beurteilten sowohl ihre Lage als auch die Aussichten besser als im Vormonat.

Griechenland-Pleite könnte Deutschland bis zu 82 Milliarden Euro kosten

Eine Hauptursache ist die Ungewissheit, wie stark die Euro-Krise auch Deutschland treffen wird. Das Ifo-Institut rechnet nun vor, dass eine mögliche Staatspleite Griechenlands die Bundesrepublik teuer zu stehen käme. "Falls Griechenland zahlungsunfähig wird und aus dem Eurosystem ausscheidet, müsste die Bundesrepublik Deutschland mit einem Verlust von bis zu 82 Milliarden Euro rechnen", teilten die Münchner Wirtschaftsforscher mit. Noch teurer werde es allerdings, wenn Griechenland nicht aus dem Euro austritt. "Falls Griechenland zahlungsunfähig wird und im Euroraum verbleibt, ist mit einem Verlust von bis zu 89 Milliarden Euro zu rechnen."

In diesen Summen seien die ausgezahlten Beträge aus den beiden Rettungspaketen für Griechenland, die Käufe von griechischen Staatsanleihen durch die Zentralbanken der Euroländer, die sogenannten Target-Verbindlichkeiten der griechischen Zentralbank, die Verbindlichkeiten Griechenlands aus der überproportionalen Ausgabe von Banknoten und die Forderungen der griechischen Notenbank gegenüber den griechischen Banken enthalten. Nicht berücksichtigt sind Abschreibungsverluste deutscher Banken, Versicherungen und anderer Privatgläubiger, erläuterte das ifo-Institut.

© Süddeutsche.de/dapd/ddp
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