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Anbieter von Billigflügen:Taxipreis auf der Langstrecke

Ryanair ergreift wieder die Initiative - als erster Anbieter von Billigflügen über den Atlantik ab 2010. Zwar ist hier ein Erfolg schwierig. Doch die Passagiere können trotzdem profitieren, und etablierte Gesellschaften geraten unter Zugzwang.

Michael O'Leary kennt die Frage längst auswendig. Immer wieder wurde er in den vergangenen Monaten von verschiedenen Seiten gefragt, ob es denn bald Billigflüge auf der Langstrecke geben werde.

Der Chef von Ryanair antwortete stets ein wenig ausweichend und verwies auf die Risiken eines solchen Versuches. Aber einer werde es sicher eines Tages ausprobieren, orakelte er.

Nun ergreift O'Leary selbst die Initiative, zunächst ab 2010 mit Flügen in die Vereinigten Staaten. Das ist nur konsequent. Als in den neunziger Jahren der Luftverkehr innerhalb der Europäischen Union liberalisiert wurde, da waren es die Billigfluggesellschaften, die die Chancen erkannten und ihr Geschäftsmodell zu etablieren versuchten.

O'Learys Ryanair ist bis heute mit Abstand der erfolgreichste Anbieter in dem Segment. Dass es wiederum nicht die etablierten Branchengrößen sind, die nun die Liberalisierung auf den Transatlantikstrecken für neue Strategien nutzen, ist da kaum überraschend.

Gefahr im lukrativsten Marktsegment

Es wird jedoch schwer werden, die Ryanair-Erfolgsgeschichte zu wiederholen, weil manches, was für den europäischen Verkehr gilt, auf der Langstrecke nicht anwendbar ist.

Aber für große Fluggesellschaften wie Lufthansa und Air France sind die Pläne allemal eine Gefahr und neue Konkurrenz in ihrem lukrativsten Marktsegment. Das Vorhaben O'Learys wie auch die Übernahmepläne bei Iberia und Alitalia zeigen aber deutlich, dass langsam Bewegung in die Branche kommt und sich ein Teil der alten Strukturen womöglich bald nicht mehr halten lässt.

Für die Verbraucher ist dies eine gute Nachricht und für die Fluggesellschaften selbst im Grunde auch. Sie werden auf diesem Weg zu ohnehin längst fälligen Veränderungen gezwungen.