Amerikansche IT-Konzerne:In China kann man viel Geld verdienen

Eine Studie der Harvard University zeigte bereits im Jahr 2011, dass Software-Firmen wie McAfee, Netsweeper and Websense ihre Produkte an Regierungen von Staaten wie Ägypten, Libyen und Syrien verkauft hatten, die dort dann zur Zensur unerwünschter Inhalte missbraucht wurden.

Ist das verwerflich? Wenn Elon Musk, der sich durchaus über seinen Superhelden-Spitznamen "Iron Man" freut, fünf Prozent der Tesla-Anteile an den chinesischen Konzern Tencent verkauft, sich mit Vize-Premierminister Wang Yang trifft und den Bau einer Fabrik in China plant: Will er dann seine Vision vom nachhaltigen Personentransport auch in China verwirklichen? Oder will er seiner Firma erst einmal den Einfuhrzoll von 25 Prozent ersparen?

Oder was bedeutete das, was LinkedIn-Chef Jeff Weiner im Jahr 2014 über den Einstieg seiner Firma in China sagte: "Natürlich sind wir für freie Meinungsäußerung und gegen Zensur - aber wir erwarten, dass es den Wunsch nach Filtern geben wird, den wir notwendigerweise erfüllen müssen." Das klingt ein bisschen nach: Wir würde ja gerne eine bessere Welt haben - aber das ist nun mal die Welt, wie sie ist. Und in der verdienen wir.

Der chinesische Markt ist verlockend. Dieser Satz gilt freilich für die Sommerpausen-Reise eines deutschen Fußballvereins, er gilt aber vor allem für die Technikfirmen aus dem Silicon Valley. Apple, Amazon und Microsoft wollen dort Datenzentren eröffnen. Der chinesische Markt ist der größte der Welt, und chinesische Anbieter, die das Modell der US-Konzerne nachahmen, werden dort immer wichtiger, ob es Hersteller von Smartphone oder E-Autos sind, der Onlinehändler Alibaba, die Suchmaschine Baidu oder die Plattform Wechat. Auch Google - das sich vor sieben Jahren öffentlichkeitswirksam aus China zurückgezogen hat - soll derzeit mit den Behörden in Peking über eine mögliche Rückkehr verhandeln. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg spricht mittlerweile Mandarin, er hat den chinesischen Präsidenten Xi Jinping getroffen. Es heißt, dass sein Unternehmen an einer Lösung arbeitet, der chinesischen Gesetzgebung gerecht zu werden und das soziale Netzwerk auch dort zu etablieren.

Man kann die Aktivitäten der US-Hightech-Konzerne in China als Eingeständnis des Scheiterns werten: Dass die Silicon-Valley-Bosse das mit der besseren Welt doch nicht überall hinbekommen und dass ihnen die Profite und der Aktienkurs der eigenen Firma letztlich doch mehr bedeuten als die Werte, für die sie so gerne einstehen. Vielleicht ist das alles aber auch Teil eines anderen, langfristiger angelegten und viel größeren Plans.

Mark Zuckerberg hat in dieser Woche Joel Benenson für seine Stiftung Chan Zuckerberg Initiative verpflichtet, der er nach seinem Tod 99 Prozent seines Vermögens überlassen will. Der war Berater des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama und Wahlkampf-Stratege von Hillary Clinton. Ebenfalls Mitglieder im Team Zuckerberg: David Plouffe (Wahlkampf-Manager von Obama), Amy Dudley (PR-Berater von Senator Tim Kaine) und Ken Mehlman (Wahlkampf-Leiter von George W. Bush).

Ach ja: Zuckerbergs Fotograf Charles Ommanney hat einst Bilder für die Präsidentschafts-Kampagnen von Bush Jr. und Obama geschossen hat. In diesem Jahr will Zuckerberg alle 50 Bundesstaaten der USA besuchen. "Einige haben mich gefragt, ob das bedeutet, dass ich für ein öffentliches Amt kandidieren möchte", schrieb Zuckerberg im Mai auf seiner Facebook-Seite: "Das tue ich nicht." Er will natürlich nur die Welt verbessern.

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