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Amazon:Verkäuferprofil mit den typischen Bestandteilen ist ein Schwindel

Andrea Hotzy hatte mit ihrer AEG-Waschmaschine Glück. Ihre Schwägerin warnte sie noch rechtzeitig und Hotzy stornierte sofort. Katharina Wiser, die Schwägerin, ist selber ein Opfer der Fake-Shops. Nicht als Kundin von Amazon, sondern als Händlerin, die ihre Ware auch über die Plattform verkauft. Die Geschäftsinhaberin von Insidehome, einer Firma südöstlich von Wien, verkauft Infrarotheizungen. Im August fielen ihr die Schwindeleien erstmals auf. "Aber dann wurden es immer mehr. Und in den vergangenen zwei Wochen ist es ganz schlimm geworden", sagt sie.

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Amazon Echo

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Katharina Wiser dokumentiert die Fake-Shops mit Screenshots, die sie auch an Amazon schickt. Darauf ist zu sehen, wie geschickt die Betrüger vorgehen. Ihre Angebote sehen täuschend echt aus. Der "neue Verkäufer" dieter222 beispielsweise verweist wie seriöse Anbieter auf sein Verkäuferprofil, das Impressum, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und das Widerrufsrecht. Nur, dass das alles fake ist, Schwindel.

Katharina Wiser, Händlerin bei Amazon

"Warum warnt Amazon seine Kunden nicht mit einem Hinweis vor den Fake-Shops? Warum lassen die die Kunden in die Falle laufen?"

Manche Betrüger erfinden Kunden-Bewertungen. "Alles bestens" oder "super", heißt es da. Nur die Nachnamen der fingierten Käufer lassen auf einen schwarzen Humor der Schwindler tippen. Sie heißen Ralf Panne und Gerda Paech. Natürlich ist das Kunden-Feedback "100 % positiv". Und wie bei seriösen Angeboten verheißt unten rechts "Die Amazon A-bis-Z-Garantie" ein Rundum-Sorglos-Paket. Nur dass es überhaupt nichts zu kaufen gibt.

Besonders schwer sind die Fälschungen zu erkennen, wenn es gar keine Fälschungen sind. Nicht immer machen sich die Betrüger die Mühe, einen eigenen Shop anzulegen. Manchmal übernehmen sie einfach einen, den es schon gibt. Einem IT-Händler aus Nordrhein-Westfalen ist das passiert. Seinen Namen will der Geschäftsmann nicht in der Zeitung lesen. Mit einer Phishing-Mail haben Betrüger sein Passwort abgegriffen, an einem Sonntagabend. "Kurz darauf waren mehrere Tausend Artikel auf meinem Profil eingestellt", sagt der Händler. "Ich bekam 400 Bestellungen in einer Stunde." Normalerweise handelt der Mann mit Computern, plötzlich standen auch Kindermöbel und Solarien in seinem Shop. Er setzte sein Passwort zurück, legte den Shop vorübergehend still - doch nach kurzer Zeit kamen immer wieder neue Bestellungen und Anfragen. Erst am nächsten Morgen um 10 Uhr reagierte Amazon und sperrte den Account. Die aufgegebenen Bestellungen wurden von Amazon allesamt storniert ohne Angabe von Gründen. Der Händler sagt, er erhalte nun zahlreiche Beschwerden, manche würden mit rechtlichen Schritten drohen.

Diese Betrüger nehmen seriösen Händlern das Geschäft weg. Standardmäßig werden die Angebote bei Amazon nach dem Preis sortiert, die gefälschten Dumping-Offerten stehen daher über denen von Händlern wie Katharina Wiser. Sie ist verärgert über Amazon. Auf all ihre Mails erhält sie immer nur eine nichtssagende Standardantwort. Und wenn Amazon einen Fake-Shop von der Website nimmt, poppt keine 24 Stunden später ein anderer wieder auf. "Warum warnt Amazon seine Kunden nicht mit einem Hinweis vor den Fake-Shops?", fragt Wiser. "Warum lassen die die Kunden in die Falle laufen?"

"Hätten doch merken müssen, dass dieser Preis nicht in Ordnung sein kann"

Viele Menschen erledigen ihre Internet-Einkäufe inzwischen unterwegs, vom Smartphone aus. Auf der mobilen Website ist die Benutzeroberfläche reduziert, Informationen sind knapper dargestellt. Viele Konsumenten lassen sich am Handybildschirm weniger Zeit, prüfen nicht jedes Detail. Das macht sie besonders anfällig für Fake-Angebote. Auch Andrea Hotzy griff über ihr Telefon auf Amazon zu, als sie beinahe auf den Waschmaschinen-Betrüger hereinfiel.

Als Hotzy den Betrugsversuch bemerkte, wollte sie sich telefonisch an Amazon wenden. Allerdings ist es nicht so einfach, auf der Website die gut verstecke Kontakt-Rufnummer zu entdecken. Eine halbe Stunde habe sie suchen müssen, sagt Hotzy. Am anderen Ende der Leitung war die Dame dann zwar freundlich, erinnert sich die Bankangestellte. Sie stellte aber die geistige Zurechnungsfähigkeit der Kundin infrage: "Sie hätten doch merken müssen, dass dieser Preis nicht in Ordnung sein kann", warf die Amazon-Frau Hotzy vor.

Nach dieser Erfahrung will sie bei Amazon nichts mehr bestellen.