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Amazon:Kunden überweisen ins Nichts

  • Betrüger fordern ihre Kunden auf, die Bezahlung nicht wie üblich über das Amazon-Konto abzuwickeln, sondern den Kaufpreis per Vorkasse direkt an den Händler zu überweisen.
  • Wenn der Kunde das tut, schnappt die Falle zu. Dann storniert der Fake-Verkäufer die Bestellung bei Amazon und das Geld ist weg.

Andrea Hotzy ahnte nichts Böses, als sie bei Amazon eine AEG-Waschmaschine für ihre Tochter bestellte. Auf der Website sah alles wie immer aus. Erst freute sie sich noch, weil sie dieses unglaublich attraktive Angebot aufgestöbert hatte: ein Schnäppchen für nur 220 Euro! Der teuerste Anbieter wollte 600 Euro. Gutgläubig klickte die Bankangestellte auf den Bestellbutton. Selbst sie, die täglich mit Gelddingen zu tun hat und von Betrügereien im Internet weiß, merkte von dem Schwindel nichts.

Wie Hotzy geht es derzeit Zehntausenden Amazon-Kunden. Sie fallen auf sogenannte Fake-Shops herein, auf Online-Läden, die es gar nicht gibt; auf fiktive Händler, die auf Amazon Waren anbieten, die sie gar nicht besitzen. Sie wollen nichts verkaufen, wollen nur das Geld der Kunden.

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Kaum Aussicht darauf, das Geld wiederzusehen

Die Masche läuft immer nach einem ähnlichen Schema ab, fand das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen heraus. Die Betrüger fordern ihre Kunden auf, die Bezahlung nicht wie üblich über das Amazon-Konto abzuwickeln, sondern den Kaufpreis per Vorkasse direkt an den Händler zu überweisen. In der Regel sollen sie ihre Kreditkartendaten bei Bezahldiensten wie Paypal, Western Union oder Paysafe angeben, sagt eine Sprecherin des LKA. Wenn der Kunde das tut, schnappt die Falle zu. Dann storniert der Fake-Verkäufer die Bestellung bei Amazon und das Geld ist weg. Gegenüber Amazon hat der Kunde keinerlei Handhabe. Denn die "A-bis-Z-Garantie", der Verkäuferschutz des Onlinekonzerns, gilt nur, wenn die Bezahlung über die Webseite von Amazon.de erfolgt. Die bestellte Ware bekommt der Käufer nie zu Gesicht.

Amazon wird derzeit von solchen Fake- Shops geflutet und bekommt das Problem nicht in den Griff. "Wir nehmen das Thema ernst und beschützen unsere Kunden und Händler", beteuert Ralf Kleber, der Deutschland-Chef des Online-Händlers, auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung. Kunden sollten alle Käufe ausschließlich über die Amazon-Website abwickeln und niemals Ware beim Verkäufer direkt bezahlen, weder durch Überweisung noch per Scheck. Die Verkäufer wiederum seien dazu verpflichtet, alle Transaktionen nur über die Amazon-Plattform laufen zu lassen. Trotzdem gelingt es Amazon nicht, den Betrug auszumerzen.

Der Online-Handel wächst in großen Schritten. Der Umsatz wird dieses Jahr allein in Deutschland die Marke von 50 Milliarden Euro durchbrechen. Und mit ihm wächst auch der Betrug. 2015 registrierte das Bundeskriminalamt mehr als 74 000 Fälle von Warenbetrug im Internet. Tendenz stark steigend.

Der durch die Fake-Shops entstandene Schaden sei "erheblich", sagt eine Sprecherin des LKA in Hannover, das sich der Internetkriminalität zentral angenommen hat. "Immer wieder fallen Kunden darauf rein". Sie rät, sich vor auffälligen Angeboten in Acht zu nehmen.

Opfer melden sich, wenn überhaupt, bei den lokalen Polizeidienststellen. Keine Behörde schaffte es bislang, die Betrugsdelikte bundesweit zusammenzutragen. Dazu ist das Phänomen zu neu. Und Amazon hat kein Interesse daran, Zahlen zum Cybercrime zu veröffentlichen.

Das Preisvergleichsportal Spottster.com wurde als einer der Ersten auf die Betrügereien aufmerksam. Es verfolgt, wie viel bestimmte Produkte auf Amazon durchschnittlich kosten. In der Regel bleiben die Zahlen über Monate einigermaßen konstant. Aber etwa seit August spielen viele Preise verrückt. Die Kurven schlagen heftig nach unten aus. An manchen Tagen kosten einzelne Artikel nur noch ein Fünftel des üblichen Preises.

Bei manchen Produkten, beispielsweise bei Elektro- und Haushaltsgeräten, sind zeitweise so viele gefälschte Angebote im Umlauf, dass die ernst gemeinten Offerten dahinter kaum zu finden sind. "Das ist ein Problem, das jetzt im Weihnachtsgeschäft noch zunimmt", sagt Kathrin Körber, bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen zuständig für Online-Handel. Sie räumt ein: "Fake-Shops wirken häufig professionell, seriös und echt, so dass sie nur sehr schwer als gefälscht zu erkennen sind."