Amazon-Gründer Jeff Bezos Führung mit "gutturalem Brüllen"

Nicht nur seine Manager, auch die Arbeiter in den Amazon-Versandzentren müssen einiges aushalten - bei niedrigsten Löhnen. Er hat einen Strafkatalog eingeführt mit einem Punktesystem. Bei sechs Punkten folgt die Entlassung, schon eine Krankmeldung kostet einen Punkt. Statt Klimaanlagen leistete sich Amazon in früheren Zeiten in den heißen Lagerhallen lieber einen Rettungswagen, der die kollabierten Arbeiter abtransportierte.

Arbeit über alles

Bezos kann sich gut konzentrieren, er ist geradezu besessen von der Arbeit. Kunden können ihm Beschwerden schicken unter der Adresse jeff@amazon.com. Er liest sehr viele dieser E-Mails und leitet sie an zuständige Manager weiter. Sie haben dann nur einen einzigen Inhalt: ein Fragezeichen. Von seinen Mitarbeitern erwartet er die gleiche Besessenheit, Stone nennt es einen "Arbeit-über-alles-Ethos".

Teure Spleens

Bezos liebt Science-Fiction und irre Wissenschaft. Von seinem Vermögen von derzeit rund 30 Milliarden Dollar geht einiges für solche Projekte drauf. Er träumt davon, dass die Menschheit irgendwann ihren Heimatplaneten verlässt und das All besiedelt. Im Nebenjob hat er Blue Origin gegründet, das Unternehmen aus Seattle baut eine Rakete für Weltraumreisen.

Er kauft auch gern mal Spielzeug. Auf Amazons Marktplatz, einem Ebay-Rivalen, erstand er etwa ein Skelett eines Höhlenbären aus der Eiszeit, "komplett", schreibt Stone, "mit Penisknochen" für 40 000 Dollar. 42 Millionen Dollar investierte Bezos in eine riesige Uhr im Inneren eines Bergs in Texas, sie soll 10 000 Jahre lang die Zeit messen. Und auf dem Grund des Atlantiks lässt er Forscher nach der Apollo-11-Rakete suchen.

Der vergessene Vater

Seine Mutter ist 17 Jahre alt, als er 1964 auf die Welt kommt in Albuquerque. Sein Vater trat mit Einrad-Nummern im Zirkus auf, trank gern mal einen und verdiente kein Geld. Als Bezos noch ganz klein war, verbannte seine Mutter den Vater aus dem Leben der Familie. Biografie-Autor Stone stöberte ihn auf, er wusste noch nicht einmal, wer sein Sohn ist und wie erfolgreich er geworden ist.

Als Bezos vier war, heiratete seine Mutter einen Einwanderer aus Kuba, der ihren Sohn adoptierte - von ihm kommt auch der Name. Schon früh war klar, dass der kleine Jeff Bezos hochbegabt ist. Statt einfach nur Karussell zu fahren, studierte er dessen Mechanik. In der Schule war er in einem Hochbegabten-Förderprogramm. Er trieb Sport, liebte "Star Trek", spielte Schach und hatte viele Freunde. Später jobbte er bei McDonald's und bei einer Nachbarin, die Hamster züchtete - Bezos reinigte die Käfige.

Sein Lieblingsbuch

Bezos ist der größte Buchhändler der Welt - und er liebt Bücher, wenn auch nicht unbedingt klassische Literatur. Er verschlingt Science-Fiction-Romane ebenso wie Wirtschafts-Fachliteratur. "Er saugt Bücher in sich auf und verarbeitet methodisch jedes Detail", schreibt Stone. Sein Lieblingsbuch ist "Was vom Tage übrig blieb" von Kazuo Ishiguro, die Geschichte eines Butlers, der sich nostalgisch an seine Dienstzeit erinnert.

Musik dagegen interessiert Bezos überhaupt nicht. In der Schule lernte er die Senderkennungen von Radiostationen auswendig, um zumindest ein bisschen mitreden zu können. Und vor einer langen Autofahrt mit Kollegen kaufte er stapelweise CDs aus der Grabbelkiste eines Supermarkts, als sei ihm völlig gleich, um welche Musik es sich handelt.

Tödliches Lachen

Bezos' Lachen ist legendär. "Es ist ein pulstreibendes Wiehern", schreibt Stone, "ein gutturales Brüllen" und "eine Kreuzung zwischen dem Paarungsschrei eines Seeelefanten und eines Elektrobohrers". Aber es ist nicht immer freundlich, Bezos lacht auch, wenn sonst niemand lacht. "Man kann es unmöglich missverstehen", sagt Ex-Technik-Chef Rick Dalzell. "Es ist so entwaffnend wie tödlich. Er bestraft einen damit." Sein leiblicher Vater lacht genauso.

Privat ist privat

Aus seinem Privatleben macht Bezos keine Schau. Er lebt mit seiner Frau MacKenzie, einer Schriftstellerin, und den vier Kindern in der abgeriegelten Reichensiedlung Medina bei Seattle, in einem großen Anwesen an einem See. Die Familie hat außerdem Immobilien in Aspen, New York, Beverly Hills sowie eine Ranch in Texas. Trotzdem fährt sie einen Honda-Van, und Bezos Frau bringt morgens oft die Kinder zur Schule und setzt ihn dann bei der Arbeit ab. Amazon gibt aber 1,6 Millionen Dollar pro Jahr für die Sicherheit der Familie aus.