Luftfracht:Amazons Drohnen-Vision stößt auf Widerstand

Lesezeit: 2 min

Luftfracht: Zustelldienst mit Drohne: Eine Vision, die Amazon nun endlich wahr machen will.

Zustelldienst mit Drohne: Eine Vision, die Amazon nun endlich wahr machen will.

(Foto: AMAZON/AFP)

Der Internethändler möchte endlich Pakete per Drohne ausliefern. Doch in der US-Kleinstadt, die Amazon dafür auserkoren hat, hält sich die Begeisterung in Grenzen.

Von Helmut Martin-Jung

Und eines Tages könnte es dann so sein: Während die Kundin noch überlegt, ob sie das Kleid nun bestellen soll oder nicht, surrt es schon im Vorgarten. Eine Drohne lässt ein Paket auf die Terrasse gleiten und entschwindet. Irgendetwas in der Art, das scheint die Vision zu sein, die sie aushecken oben in Seattle beim Alles-Kaufhaus, bei Amazon. Wünsche erfassen, bevor man sich selber ganz sicher ist und so schnell liefern, dass man einfach nicht mehr Nein sagen kann.

Doch bevor Visionen wahr werden - und das tun sie ja nicht immer - sind da irdische Herausforderungen zu bewältigen. Schon 2013 hatte Amazon-Gründer Jeff Bezos Drohnenlieferung innerhalb einer Stunde angekündigt, so richtig zum Fliegen gekommen ist die Sache aber seither nicht. Wobei sich auch die Frage stellt, ob die Kunden das überhaupt wollen, von autonomen Fluggeräten beliefert zu werden. So gesehen hat Amazon auch hierbei einen Rückschlag erlitten. In der kalifornischen Kleinstadt Lockeford, etwa 150 Kilometer östlich von San Francisco, möchte der Internethändler den Drohnenservice erstmals regulär einführen. Die Begeisterung dort hält sich aber in Grenzen, wie ausgerechnet die Washington Post berichtet, das Blatt also, das dem heutigen Aufsichtsratschef Bezos gehört. Sie habe viele Pferde, Ziegen und andere Tiere, sagte Naydeene Koster: "Pferde rennen glatt durch Stacheldraht oder jede Art von Zaun, wenn sie glauben, dass sie in Gefahr sind." Der Gedanke, dass Drohnen das auslösen könnten, mache ihr Sorgen.

Viele der Bewohner fühlen sich übergangen

Amazons Problem: Das Unternehmen hatte zwar die örtlichen Behörden kontaktiert, ansonsten aber den Deckel draufgehalten, wie stets, wenn es um neue Projekte geht. Viele der Bewohner fühlen sich nun übergangen. Manche können sich zwar vorstellen, sich Pakete auf die Veranda liefern zu lassen, andere aber sind strikt dagegen, schon aus Prinzip: "Die machen doch die ganzen kleinen Läden kaputt", sagte Tim Blighton der Post-Reporterin, und einer anderer ergänzte: "Die haben sowieso schon zu viel Geld und zu viel Macht."

Ob Amazons Macht ausreicht, die nötigen Genehmigungen zu erhalten, ist allerdings noch offen. Die Flugsicherheitsbehörde FAA hat noch nicht entschieden, ob sie dem Antrag des Unternehmens stattgibt, Pakete per Drohnen auszuliefern. Ganz so trivial ist das nämlich nicht. Zwar hat sich Amazon Lockeford deshalb ausgesucht, weil es dort viel Platz gibt - und wohl auch, weil man nicht allzu viel Widerstand erwartete. Wenn der Wind weht oder wenn es regnet, müssen aber wie bisher die Fahrer ausrücken.

Deutschland ist nicht nur viel dichter besiedelt als die USA, dort gibt es durch die EU-Drohnenverordnung auch ein ziemlich strenges Reglement für den Betrieb der Fluggeräte. Es gilt seit Ende 2020, Ende dieses Jahres läuft dann auch die Übergangsfrist für Bestandsgeräte ab. Die Drohne selbst, ihr Lenker sowie die beteiligte Crew müssen demnach alle zertifiziert sein. Nur kleine (Spielzeug-) Drohnen kommen ohne eine Anmeldung aus.

Auch in Texas hat Amazon eine Gemeinde angefragt, in einer Bürgerversammlung gab es aber viele Bedenken. Man solle doch, sagte eine Frau, den Leuten in Lockeford den Vortritt lassen.

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