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Historie:Erst ins Netz, dann ins All

JEFFREY P. BEZOS, GRÜNDER VON "AMAZON.COM"

Mann des Jahres: 1999 wählt das Magazin "Time" Jeff Bezos - hier bei einem Besuch in Hamburg - auf den Titel. Da ist er 35 und seit fünf Jahren Amazon-Chef. Seit dem Jahr zuvor ist sein Unternehmen auch in Deutschland am Markt.

(Foto: Kay Nietfeld/DPA)

Weil andere besser waren in Physik, wurde Jeff Bezos eben Unternehmer - und schaffte es in 25 Jahren zu einem der reichsten Menschen der Erde.

Von Francesca Polistina

Der Anfang Zwei Dinge gehören in den USA zu jedem vielversprechenden Anfang: eine Garage und ein Karrierewechsel. Jeff Bezos hatte beides. 1964 in Albuquerque in New Mexico geboren, lässt sich seine Mutter Jacklyn kurz danach von seinem leiblichen Vater scheiden. Jeffs Großvater, ein raumfahrtbegeisterter Techniker, hat großen Einfluss auf den Jungen, nach der Schule studiert er Physik an der Elite-Universität Princeton, laut Business Insider als einer der Top-25-Studenten mit Auszeichnung. Trotzdem: Ein paar von Bezos' Kommilitonen sind noch besser. Einmal, so hat er es selbst erzählt, sitzt er drei Stunden lang an einem Matheproblem, dann geht er zu einem Freund - und der findet die Lösung in wenigen Minuten. Für den zukünftigen Amazon-Gründer ein Aha-Moment: "Ich realisierte, dass ich niemals ein großer theoretischer Physiker sein werde", sagte Bezos später. Also wechselt er das Hauptfach zu Elektrotechnik und Informatik, sein Bachelorstudium schließt er 1986 mit Bestnoten ab. Danach arbeitet er beim Start-up Fitel als Programmierer und bei zwei Vermögensverwaltern, wo er Karriere macht. Hätte es mit Amazon nicht geklappt, "ich wäre irgendwo ein äußerst glücklicher Softwareprogrammierer".

Amazon 1994 ist Jeff Bezos 30 Jahre alt und Vizepräsident des Hedgefonds-Verwalters D.E. Shaw, er hat also einen sicheren und gut bezahlten Job in New York. Es sind die Anfangszeiten des Internets, und Bezos ist davon fasziniert. Er will unbedingt mitmischen. Also macht er sich selbständig und zieht nach Seattle. Am 5. Juli 1994 gründen Jeff und seine damalige Ehefrau MacKenzie Bezos einen Online-Buchhandel - in der Garage und mit einer alten Tür als Schreibtisch, so zumindest will es die Legende. Für die Bücher entscheiden sich die beiden deshalb, weil die Kategorie über deutlich mehr Produkte verfügt als jede andere. Das Unternehmen heißt zunächst Cadabra, wird jedoch bald in Amazon umbenannt, abgeleitet vom Amazonas-Strom in Südamerika. Der Handel geht 1995 online, Jeffs Eltern stecken knapp 250 000 Dollar in die Firma. "Es war ein großes Wagnis", berichtete der Stiefvater Mike Bezos. Zunächst werden nur Bücher verkauft, in den folgenden Jahren baut Amazon sein Sortiment immer weiter aus.

Online-Weihnachtsgeschäft - Amazon Bad Hersfeld

Amazons erstes Lagerhaus in Deutschland, hier auf einer Aufnahme von 2011, existiert noch heute.

(Foto: Uwe Zucchi/dpa)

Der Börsengang 1997 geht Amazon an die Börse. Damals kostet eine Aktie 18 Dollar, heute sind es mehr als 3000 Dollar. Heißt: Wer damals auch nur ein bisschen Geld investiert hat, ist heute ziemlich reich. Der Börsengang bringt Amazon 54 Millionen Dollar ein, die Firma wird mit insgesamt 438 Millionen Dollar bewertet. Ihr Gründer nutzt das Geld, um zu expandieren und das Sortiment auszubauen. Ende der Neunzigerjahre kommt Amazon auch nach Deutschland, das Logistikzentrum in Bad Hersfeld in Hessen wird eröffnet und die ersten Büros entstehen.

Das Sortiment Neben den Büchern nimmt Amazon nach und nach auch Videos, Musik, DVDs und Elektronik ins Programm. Das einstige Start-up wird zunehmend mehr zur Erfolgsgeschichte - allerdings nicht ohne Schattenseiten. Dem Unternehmen und seinem Gründer wird immer häufiger vorgeworfen, Mitarbeiter schlecht zu behandeln, Händler zu benachteiligen und Steuern zu vermeiden.

Amazon and Blue Origin founder Jeff Bezos addresses the media about the New Shepard rocket booster and Crew Capsule mockup at the 33rd Space Symposium in Colorado Springs

Immer wieder verkündet Bezos große Pläne für die Raumfahrt. 2017 etwa stellt er die Trägerrakete "New Shepard" vor und lässt sich in einem Modell der Raumkapsel ablichten.

(Foto: Isaiah Downing/REUTERS)

Der Weltraum Im Jahr 2000 verwirklicht Jeff Bezos seinen Traum vom Weltall und gründet das Raumfahrtunternehmen Blue Origin, das heute etwa 2500 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen will in Zukunft Ausflüge ins Weltall für private Kunden anbieten. Kürzlich kündigte Bezos über seinen Instagram-Account zudem an, die erste Frau auf den Mond bringen zu wollen. Bei diesem Rennen ins Weltall konkurriert er unter anderem mit dem Unternehmen SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk.

FILE PHOTO: Founder, Chairman, CEO and President of Amazon Jeff Bezos poses with children from 'Club for the Future' after his space company Blue Origin's space exploration lunar lander rocket called Blue Moon was unveiled at an event in Washington

Auf zum Mond: 2019 präsentierte Bezos in Washington die Mond-Landekapsel "Blue Moon" - passenderweise zusammen mit Kindern des "Club for the Future".

(Foto: Clodagh Kilcoyne/REUTERS)

Kindle Nach mehr als drei Jahren Entwicklungszeit präsentiert Amazon 2007 einen E-Book-Reader: den Kindle. Das Gerät wird zum Preis von 399 Dollar angeboten - und ist innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Seitdem hat das Unternehmen regelmäßig neue Lesegeräte vorgestellt, meist mit Erfolg (vor allem als Weihnachtsgeschenk). Was allerdings nicht bedeutet, dass Bezos mit jedem seiner Projekte Erfolg hat: Das ebenfalls von Amazon entwickelte Fire Phone, ein Smartphone mit dem der Apple Konkurrenz machen will, floppt beispielsweise.

FILE PHOTO: Jeff Bezos comments after opening Amazon Spheres with Alexa

"Alexa, beende meine Rede!": Bezos 2018 bei der Eröffnung der Amazon Speheres, einem neuen Teil der Konzernzentrale in Seattle im US-Bundesstaat Washington.

(Foto: Lindsey Wasson/REUTERS)

Washington Post Eigentlich will Jeff Bezos die traditionsreiche Tageszeitung aus der US-Hauptstadt gar nicht haben. Den Namen Bezos bringt als erster Donald Graham, Sohn der Verlegerin Katharine Graham, ins Spiel. Bezos hat anfangs kein Interesse, er hat nie ins Zeitungsgeschäft investiert und kennt sich mit der Branche nicht aus. Graham überredet ihn trotzdem. "Wir brauchen jemanden, der sich mit dem Internet auskennt", soll er dabei gesagt haben. Als Bezos die Post 2013 kauft, ist der Aufschrei groß. Der zentrale Kritikpunkt: Kann die Zeitung, die sich unter anderem mit ihren Recherchen zum Watergate-Skandal und den "Pentagon Papers" Anfang der Siebzigerjahre einen legendären Ruf erarbeitet hat, überhaupt neutral bleiben, wenn sie im Besitz eines der reichsten Menschen der Welt ist? Wie wird die Berichterstattung über Amazon und die durchaus umstrittene Firmenpolitik des Konzerns sein? Seit einigen Jahren ist die Zeitung nach einer Zeit der Verluste wieder profitabel. Die Frage nach der Unabhängigkeit im Journalismus aber bleibt.

Die Scheidung 2019 geben Jeff Bezos und seine Frau MacKenzie die Trennung bekannt. Das Paar, das vier gemeinsame Kinder hat, ist da 25 Jahre verheiratet und MacKenzie seit dem Start von Amazon dabei. Deshalb beansprucht sie auch einen Teil des Vermögens für sich - und erhält laut der Scheidungsvereinbarung Amazon-Anteile im geschätzten Wert von 36 Milliarden Dollar. Damit gilt sie als eine der reichsten Frauen der Welt. Einen Teil des Geldes spendet sie.

FILE PHOTO: 2018 Vanity Fair Oscar Party - Arrivals - Beverly Hills

25 Jahre lang waren Jeff und MacKenzie Bezos - hier 2018 auf einer Oscar-Party in Beverly Hills - verheiratet, gemeinsam haben sie vier Kinder.

(Foto: Danny Moloshok/REUTERS)

Das Vermögen Mit einem geschätzten Vermögen von rund 190 Milliarden Dollar gilt Jeff Bezos als einer der reichsten Menschen der Welt. Die Schätzungen unterscheiden sich, mal steht Bezos auf Platz eins, mal Microsoft-Gründer Bill Gates und in manchen Berechnungen, wie dem aktuellen "Billionaires Index" von Bloomberg, steht Tesla-Chef Elon Musk an erster Stelle. Aber Bezos ist auf allen Listen vorn dabei.

© SZ/sry
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